Gips – der Baustoff für den Innenbereich

Beim Anblick historischer Stuckdecken wird sofort klar, dass Gips ein besonderer Baustoff sein muss. Dort waren eher Künstler als Handwerker tätig. Nichtsdestotrotz braucht es auch die Handwerker, die früher Gipser genannt wurden und die heute die Berufsbezeichnung Stuckateur tragen.

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Ein jahrtausendealter Rohstoff

Gips ist bereits seit tausenden von Jahren als Baustoff bekannt. Schon früh erkannten die Menschen, dass der im feuchten Zustand formbare Gips viele Vorteile besitzt. Neben der angenehmen Verarbeitbarkeit besitzt Gips zum Beispiel eine hohe Atmungsaktivität. Zudem lässt er sich auf eine dem Anwendungsfall angepasste Festigkeit einstellen. Gips wird beispielsweise für die Herstellung von Gipswandbauplatten, Gipsfaser- oder Gipskartonplatten verwendet. Diese sollen an dieser Stelle jedoch nicht näher betrachtet werden. 

Anwendungsbereiche

Das Bindemittel Gips kommt sowohl bei Neubauten als auch bei Renovierungsarbeiten zum Einsatz. Allerdings ist seine Anwendung hauptsächlich auf den Innenbereich beschränkt, da er in abgebundener Form eine gewisse Wasserlöslichkeit besitzt. So kann er auch in Feuchträumen und im Keller nur eingeschränkt verwendet werden. Mit einer Imprägnierung versehen, können Gipsbaustoffe jedoch auch im geschützten Außenbereich eingesetzt werden.

Chemische Zusammensetzung

Aus chemischer Sicht ist Gips ein Calciumsulfat, das mit oder ohne Kristallwasser vorliegt – also verschiedene Hydratstufen besitzt.

Vorkommen und Gewinnung

Gips kann auf natürliche oder synthetische Weise gewonnen werden.

In der Natur findet man ihn in gipshaltigem Gestein, das zerkleinert, gemahlen und abschließend gebrannt wird.

Die synthetische Gipsgewinnung erfolgt in der Regel als Nebenprodukt bei verschiedenen chemischen Verfahren. So fällt er zum Beispiel bei der Rauchgasentschwefelung an. Solch ein synthetischer Gips wird auch als REA-Gips bezeichnet.

Arten von Baugips

Baugips ist ein in der Regel weißes Pulver, das durch Zugabe verschiedener Zusatzstoffe jedoch auch andere Farben annehmen kann. Der pulverförmige Gips wird auf der Baustelle zu einem Mörtel oder einer Paste angemischt. Gegebenenfalls muss noch eine Ruhepause eingehalten werden, die vom Hersteller angegeben wird. Anschließend wird der Gipsmörtel dann aufgespachtelt, aufgezogen oder aufgespritzt. Nach einiger Zeit (die je nach Gipsart unterschiedlich lang sein kann) härtet der Gips durch Reaktion mit Wasser aus – der Fachmann spricht hier von Hydratation. Es gibt zahlreiche Anwendungen von Baugips, wobei grundsätzlich zwei Gruppen von Gips-Trockenmörtel unterschieden werden.

Stuckgips und Putzgips

Zur ersten Gruppe zählen die Baugipse wie Stuckgips und Putzgips, denen werkseitig keine Zusätze beigemischt wurden. Die beiden Gipse unterscheiden sich hauptsächlich darin, dass Putzgips länger zu verarbeiten ist als Stuckgips. Aus Stuckgips werden zum Beispiel Gipsplatten und Gipsbauplatten hergestellt. Auch Stuck- und Formarbeiten werden mit ihm durchgeführt. Ansonsten kommt der Stuckgips (wie auch der Putzgips) noch für Innenputze wie Gips- oder Gipskalkputze zum Einsatz. Rabitzarbeiten (Drahtputzarbeiten) lassen sich ebenfalls mit beiden Putzen vornehmen.

Gips-Trockenmörtel

Die zweite Gruppe der Gips-Trockenmörtel bilden die Baugipse mit werkseitig zugegebenen Zusätzen. Die Basis bei diesen Gipsen bilden Stuck- und/oder Putzgipse.

Zum Erzielen bestimmter Eigenschaften erhalten diese im Herstellwerk noch eine Zugabe an Additiven oder Zuschlägen. Als Additive kommen zum Beispiel Cellulosederivate oder Abbindeverzögerer in Frage. Mögliche Zuschläge sind Kalksteinmehl, Kalkbrechsand oder Blähperlite. Maschinengipsputze erhalten beispielsweise Leichtzuschläge oder Kalkhydrat als Zuschlag. Werden diese Putze wasserabweisend eingestellt, so können auf ihnen auch ohne Grundierung Fliesen verlegt werden. Sie können dann auch in Feuchträumen anstelle von Kalkzementmörtel Verwendung finden. Weiterhin werden auch den Handputzen, Spachtelgipsen, Ansetzgipsen oder Gipsklebern werkseitig Zusätze beigemischt.