Fliesen – welche Unterschiede gibt es?

Fliesen sind unter zahlreichen Zusatzbezeichnungen im Handel. Doch was bedeutet Steinzeug, Steingut oder Feinsteinzeug?

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Fliesenarten

Was sind die die Unterschiede zwischen Terracottafliesen bzw. Cottoplatten und Bodenklinkerplatten, wo doch alle unter der Bezeichnung „Grobkeramik“ geführt werden? Weiterhin stellt sich für den Bauherrn oder Modernisierer die Frage, welche Fliesen für den Außenbereich geeignet sind und welche speziell für Fußböden.

Dann gibt es noch die Fliesen für besondere Anwendungsbereiche. Bei Schwimmbädern müssen die Fliesen zum Beispiel besonders rutschfest sein – gleiches gilt für den gewerblichen Bereich, wenn wie in einer Brauerei viel mit Wasser gearbeitet wird. Schließlich gibt es noch besondere Fliesen wie Bordüren, das sind ganz schmale Fliesen zur Dekoration, und Mosaikfliesen. Mosaikfliesen liegen derzeit besonders im Trend. Es handelt sich dabei um kleinformatige Fliesen, die durch Netze oder Bänder zu einer größeren Einheit zusammengefasst werden. So lassen sie sich dann im Prinzip wie herkömmliche Fliesen verlegen.

Feinkeramik

Steingutfliesen

Ein häufig verwendeter Fliesentyp sind die Steingutfliesen, die zur Feinkeramik zählen. Sie sind nur mit glasierter Oberfläche erhältlich und besitzen ein relativ hohes Wasseraufnahmevermögen von über 10 Prozent. Das ist für die Verwendung im Außenbereich zu viel, da es dadurch recht schnell zu Frostschäden kommen würde.

Hergestellt werden Steingutfliesen im Trockenpressverfahren. Inhaltsstoffe der Fliesen sind Schamotte, Feldspat, Quarz, Ton oder Kaolin. Diese Stoffe werden fein gemahlen und mit Wasser gemischt. Unter hohem Druck erhalten die Fliesenrohlinge anschließend die gewünschte Form. Damit die Steingutfliesen diese Form behalten, werden sie noch bei Temperaturen zwischen 850 und 1.000 Grad gebrannt.

Die Glasur schützt die Fliesen später vor Verunreinigungen und Beschädigungen durch haushaltsübliche Säuren. Die Hausfrau bzw. der Hausmann freut sich zudem, dass die Glasur die Fliesenreinigung vereinfacht. Hauptsächlich werden Steingutfliesen an den Wänden von Feuchträumen wie Bad oder Küche verwendet. Dickere Steingutfliesen eignen sich auch als Bodenbelag für mäßig beanspruchte Böden.

Steinzeugfliesen

Ebenfalls zur Feinkeramik werden die Steinzeugfliesen gezählt. Der große Unterschied zu den Steingutfliesen liegt darin, dass sie sehr viel weniger Wasser aufnehmen können. Bei einer Wasseraufnahme von unter 3 Prozent sind sie daher für den Außenbereich geeignet.

Hergestellt werden Steinzeugfliesen aus Ton, Quarz und Feldspat. Anders als beim Steingut kommt kein Wasser dazu, die Scherben werden trocken verpresst und gebrannt bei Temperaturen zwischen 950 und 1.100 Grad Celsius. Steinzeugfliesen sind unglasiert und glasiert erhältlich, wobei die Glasur vor dem Brennen aufgebracht wird. Beide Arten von Fliesen werden also nur einmal gebrannt. Unglasierte Fliesen sind fleckanfälliger, weshalb bei stark frequentierten Böden glasierte Fliesen anzuraten sind. Eine Untergruppe der Steinzeugfliesen sind die Feinsteinzeugfliesen. Bei ihnen liegt das Wasseraufnahmevermögen bei nur noch 0,5 Prozent.

Diese Fliesen bekommen nahezu keine Flecken, weil sich der Schmutz nirgends niederlassen kann. Sie sind draußen und drinnen für fast alle Anwendungsfälle verwendbar.

Grobkeramik

Spaltplatten

Bei Spaltplatten, die man aus hochwertigen Tonen und mineralischen Zuschlägen herstellt, ist der Name Programm, werden sie doch Rücken an Rücken in einem Tunnelofen gebrannt. Anschließend werden diese Doppelplatten maschinell gespalten. Wie Steinzeugfliesen gibt es die Spaltplatten ebenfalls glasiert und unglasiert.

Da sie säure- und frostbeständig sind, können sie auch im Außenbereich zum Einsatz kommen. Sie besitzen zudem eine größere Bruch- und Stoßfestigkeit als Steingutfliesen. Die Maßhaltigkeit ist allerdings nicht so gut wie bei diesen, da sie nass gepresst werden und beim Brennen stärker schwinden. Insbesondere für Terrassen, Balkone, Treppen oder Fassaden werden Spaltplatten verwendet.

Mit ihnen lässt sich ein rustikales Ambiente schaffen, sind sie doch in warmen Erdtönen und in großen Formaten erhältlich. 

Bodenklinkerplatten

Ähnlich sieht es mit den Bodenklinkerplatten aus, die aus rot- und braunbrennenden Tonen und mineralischen Zuschlägen hergestellt werden. Die in der Regel unglasierte Grobkeramik wird unter hohem Druck mit einer Stempelpresse geformt und anschließend gebrannt. Der Brennvorgang erfolgt bis zur Sinterung, und durch Zugabe eines entsprechenden Metallpulvers lässt sich auch ein metallischer Glanz erzielen. Auch Bodenklinkerplatten schwinden beim Brennen stärker als Feinkeramik, weshalb sie eine größere Maßtoleranz besitzen.

Im Vergleich zu Steingutfliesen sind sie aber auch wesentlich fester und strapazierfähiger. Auch Regen, Schnee und Frost widerstehen die Bodenklinkerplatten gut, sie können also bedenkenlos im Außenbereich zum Einsatz kommen. Sie sind zudem meist dicker als herkömmliche Fliesen, weshalb sie bevorzugt dort verwendet werden, wo große Belastungen zu erwarten sind, z. B. in der Autowerkstatt.

Cottoplatten bzw. Terracottafliesen

Edler geht es bei den Cottoplatten bzw. Terracottafliesen zu, die ebenfalls der Grobkeramik zugeordnet werden. Der Name ist italienisch und bedeutet nichts anderes als „gebrannte Erde“, wobei Cotto für gebrannt und Terra für die Erde steht.

Cottoplatten bestehen aus einem bestimmten Schieferton, den es nur in der Nähe eines kleinen italienischen Ortes gibt – Impruneta heißt dieser. Bei Terracotta ist die Herkunft nicht definiert, er kann aus allen möglichen Tonen hergestellt werden. Ganz gleich, ob Cotto oder Terracotta – beides zeichnet sich durch große Offenporigkeit aus. Die Fliesen oder Platten eignen sich daher nur für die Wohnung, dort sorgen sie jedoch für ein ausgeglichenes Raumklima, können sie doch Raumfeuchte „zwischenspeichern“.

Typischerweise sind Cottoplatten rötlich-braun gefärbt und sehr fleckanfällig. Eventuelle Mörtelreste müssen daher nach dem Verlegen abgesäuert werden. Nach dem Trocknen wird die Oberfläche des Bodens zudem in mehreren Arbeitsflächen gewachst, um sie unempfindlicher zu machen.