Gläser für das Fenster – welche Unterschiede gibt es?

Eine Fensterscheibe ist eine Fensterscheibe, sollte man meinen. Doch spätestens wenn der Lärm der Straße ungebremst in die Wohnung gelangt, während es beim Nachbarn entspannend ruhig ist, wird klar, dass es doch einige Unterschiede gibt. 

Haus mit großer Fensterfront und Terrasse HBI Holz-Bau-Industrie GmbH & Co. KG

Arten von Glas

Fensterglas gibt es außer als Schallschutzglas noch als Wärmeschutzglas, Brandschutzglas oder Sicherheitsglas.

Fensterglas

Zu Fensterglas verarbeitet wird heutzutage meist sogenanntes Floatglas. Dieses gibt es laut EN 572, Teil 2 in Nenndicken zwischen 3 und 25 mm. Die Fensterscheibe besteht zudem aus mindestens zwei, häufig auch drei Gläsern. Das liegt schon alleine an den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Die eigentliche Dämmwirkung wird nämlich durch den Scheibenzwischenraum erzielt, das ruhende „Luftpolster“ (in Wirklichkeit Spezialgase) hat einen hohen Wärmedurchlasswiderstand. Die Möglichkeiten des Glases haben sich in den letzten Jahren jedoch nicht nur hinsichtlich ihrer Wärmedämm-, sondern auch ihrer Schallschutzeigenschaften gesteigert. Durch die Kombination verschiedener Gläser können zudem die Einbruchsicherheit und die Brandschutzeigenschaften verbessert werden.

Wärmedämmgläser

Wärmedämmgläser haben mit steigenden Energiekosten immer mehr Bedeutung gewonnen. Die EnEV verlangt mittlerweile bei Fenstern einen U-Wert von höchstens 1,3 W /(m²K) - und das sowohl bei Neubauten, als auch bei der Fenstersanierung im Altbau. Dieser Wert gilt für Rahmen und Verglasung im Verbund. Er wird nur durch die Verwendung von beschichtetem Isolierglas erreicht. Durch die Beschichtung gelangt das kurzwellige Sonnenlicht problemlos in den Raum. Die langwelligen Wärmestrahlen aus dem Rauminnern werden hingegen abgeblockt. Das alleine reicht als Dämmwirkung aber noch nicht aus. Zusätzlich ist der Scheibenzwischenraum mit einem Gas wie Argon, Xenon oder Krypton gefüllt. Die Gase besitzen eine bessere Dämmwirkung als Luft. Mit einer Zweifach-Isolierverglasung werden damit U-Werte von 1,1 W/(m²K) erreicht, mit einer Dreifachverglasung sogar Werte zwischen 0,7 und 0,5 W/(m²K). Solche Fenster sind dann auch für Passivhäuser geeignet.

Schallschutzgläsern

In Zeiten von steigender Lärmbelastung hat die Bedeutung von Schallschutzgläsern ebenfalls zugenommen. Bei einem Schallschutzfenster kommt es allerdings nicht alleine auf die Verglasung, sondern auch auf den Rahmen und die richtige Abdichtung zwischen Rahmen und Mauerwerk bzw. zwischen Rahmen und Verglasung an. Glas an sich hat durch seine Schwere gute Vorraussetzungen für den Schallschutz. Jedoch die Gläser sind dünn und fangen an zu schwingen, wenn der Schall die Eigenfrequenz des Glases trifft. Unterschiedlich dicke Gläser fangen bei unterschiedlichen Frequenzen an zu schwingen. Es werden daher für eine Schallschutzverglasung Gläser verschiedener Stärken verwendet. Zudem wird geschaut, wie sich der Lärmpegel bei der vorzunehmenden Lärmschutzmaßnahme zusammensetzt. Dementsprechend werden die Schallschutzgläser ausgewählt.

Brandschutzverglasung

In manchen Bereichen ist eine Brandschutzverglasung erforderlich. Auch hierfür gibt es spezielle Gläser. Grundsätzlich wird Glas als nicht brennbarer Baustoff der Klasse A1 zugeordnet. Das bringt aber nichts, wenn die Gläser bei Hitze springen und das Feuer sich dann ohne Widerstand ausbreiten kann. Bei Brandschutzgläsern wird zwischen der Feuerwiderstandsklasse F und G unterschieden. Gläser der Klasse G verhindern lediglich den Durchgang von Rauch und Feuer. Bei F-Verglasungen muss hingegen auch der Durchgang von Hitze für eine bestimmte Zeit unterbunden werden. Bei einem Glas der Bezeichnung F90 sind das zum Beispiel 90 Minuten. F-Verglasungen sind Mehrscheiben-Verbundgläser, deren Scheibenzwischenraum mit Luft oder – noch besser – mit einem Gel oder einer anorganischen Brandschutzschicht gefüllt ist. Bei einem Brand schäumen diese Stoffe auf und bilden eine Schutzschicht.

Sicherheitsgläser

Hierbei muss zwischen Gläsern unterschieden werden, die einen vorbeugenden Unfallschutz bieten und Gläsern, die vor Gewaltanwendungen jeder Art schützen. Als Sicherheitsgläser kommen Drahtglas, Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) und Verbund-Sicherheitsglas (VSG) zum Einsatz. ESG wird zum Beispiel für Duschkabinen, Glastüren oder Ganzglasanlagen (Türen oder Wände) verwendet. Bei Bruch zerspringt ESG in viele kleine Glaskrümel, die keine scharfen Kanten aufweisen. VSG hingegen besteht aus zwei oder mehr Scheiben, die nicht so schnell zu Bruch gehen. In das Glas können Heizdrähte oder Signaldrähte für Alarmanlagen integriert sein. Es wird von der Industrie als durchwurfhemmende Verglasung (PA), durchbruchhemmende Verglasung (SG) oder sogar sprengwirkungshemmende Verglasung (ER) produziert.