Ökologische Baustoffe

Der erste Schritt zum ökologischen und nachhaltigen Gebäude ist die Auswahl der richtigen Baustoffe. Hier kommt es auf die verwendeten Rohstoffe und deren Herkunft sowie auf die Ökobilanz an. 

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Ökobilanz - Was ist das eigentlich?

Nachhaltig mit Konzept

Darin fließt der Energiebedarf für die Aufbereitung der Rohstoffe, den Herstellungsprozess sowie Transportwege und Entsorgung am Ende des Lebenszyklus mit ein. Einen guten Anhaltspunkt geben seriöse Öko-Labels oder eine Umwelt-Produktdeklaration des Instituts Bauen und Umwelt e.V. (IBU), das sich für mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen einsetzt.

Massivbaustoffe

Zu den als ökologisch und nachhaltig geltenden Massivbaustoffen zählen Mauerziegel, Kalksandstein wie auch Porenbeton. Die Herstellungsweisen sind unterschiedlich, allen diesen Baustoffen gemeinsam ist eine lange Lebensdauer sowie der Einsatz natürlicher Rohstoffe. Durch regionale Herstellung bleiben die Transportwege in vielen Fällen kurz, was sich positiv auf die gesamte Energiebilanz der Baustoffe auswirkt. Die genannten Massivbaustoffe können in sortenreiner Form recycelt und wiederverwendet werden und bleiben somit im Stoffkreislauf. Dies ist ein maßgeblicher Aspekt für ökologische und nachhaltige Baustoffe. Durch die Verwendung natürlicher Rohstoffe dünsten die fertigen Steine keine Schadstoffe aus und gelten für die Wohngesundheit als unbedenklich.

Mauerziegel

Mauerziegel bestehen aus oberflächennah abgebautem Ton, der mit Sand, Kalk- oder Naturgesteinsmehlen versetzt wird. Mit Hilfe einer Strangpresse wird der Ton in Form gebracht und anschließend auf die gewünschte Größe geschnitten. Nach einer Trockenzeit von 24 bis 48 Stunden werden die Rohlinge gebrannt.

Mauerziegel werden als Voll- und Lochziegel hergestellt. Für tragende und nichttragende Wände kommen heute in der Regel Lochziegel zum Einsatz. Diese Steine verfügen über eine bessere Wärmedämmfähigkeit und sind außerdem materialsparend. Eine Verfüllung der Hohlräume mit Perlit oder anderen natürlichen Dämmstoffen verbessert die Wärmedämmfähigkeit der Ziegel.

Kalksandsteine

Kalksandsteine sind aus Branntkalk, Sand und Wasser gefertigt. Die Rohlinge werden mit Hilfe von Druck und Wasserdampf getrocknet. Der Energiebedarf ist im Gegensatz zum Brennvorgang beim Mauerziegel gering, die abgekühlten Kalksandsteine können sofort verwendet werden. Kalksandsteine besitzen gute Schalldämmeigenschaften, aufgrund der hohen Dichte ist die Wärmeleitfähigkeit hoch, deshalb muss eine zusätzliche Dämmebene in der Außenwand eingebaut werden. 

Porenbeton

Porenbeton wird ebenfalls mit Hilfe von Druck und Wasserdampf gehärtet. Branntkalk, Zement und Quarzsand sowie Wasser werden vermischt und in Formen gefüllt. Recyceltes Aluminiumpulver dient als Porenbildner und vergrößert das Volumen der Rohstoffe um das Fünffache. Der fertige Porenbetonstein ist sehr leicht und besitzt aufgrund der vielen Luftporen sehr gute Wärmedämmeigenschaften.

Trockenbaustoffe

Trockenbaustoffe nehmen im Neubau wie auch in der Sanierung einen hohen Stellenwert ein. Insbesondere aus Naturmaterialien hergestellte Trockenbauplatten weisen eine gute Ökobilanz auf, sind frei von Schadstoffen und deshalb für den Innenausbau im nachhaltigen Gebäude gut geeignet.

Lehmbauplatten

Lehmbauplatten bestehen aus Ton, Sand und Schluff sowie einer Armierung aus Schilfrohr oder Stroh- beziehungsweise Holzfasern. Lehmbauplatten bringen die gleichen positiven bauphysikalischen Eigenschaften wie Lehmputz mit, sind allerdings deutlich leichter zu verarbeiten. Lehm kann ein hohes Maß an Feuchtigkeit aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben und wirkt so feuchteregulierend.

Gute Schallschutzeigenschaften und eine gefühlt warme Bauteiloberfläche machen die Lehmbauplatte zu einem idealen Baustoff für den ökologischen Innenausbau. Durch den Verzicht auf chemische Zusatzstoffe ist das Material absolut natürlich und frei von Schadstoffen. Ideal sind die Platten auch in Kombination mit einer Wandheizung. Im Handel erhältlich sind mittlerweile Platten, in die die Heizungsrohre bereits integriert sind. 

Strohbauplatten

Strohbauplatten stellen im ökologischen und nachhaltigen Innenausbau eine echte Alternative zu Gipsfaser- und Gipskartonplatten dar. Die genormten Baustoffe können mit gängigen Holzbearbeitungsmaschinen bearbeitet werden und werden mit Hilfe von Profilen oder Schwellenhölzern montiert. Für die Herstellung wird gereinigtes Weizenstroh unter Druck und Wärme verpresst und anschließend mit Recycling-Karton ummantelt. In der Strohzellulose ist Lignin enthalten, das als natürlicher Kleber dient, weitere Zusatzstoffe sind nicht erforderlich.

Strohplatten weisen höhere Querschnitte als Gipskartonplatten aus und sind deshalb deutlich schwerer. Allerdings ist auch die Tragfähigkeit entsprechend hoch, weiterhin bringen Strohbauplatten sehr gute Wärme- und Schalldämmeigenschaften mit. Durch die Fähigkeit, die Raumluftfeuchte zu regulieren wirken Strohbauplatten positiv auf das Raumklima. 

Mineralisch ummantelte Holzspäne

Mineralisch ummantelte Holzspäne sind Holzspäne, die über ein spezielles Sprühverfahren mit einem mineralischen Bindemittel ummantelt sind. Das Verfahren kommt ohne chemische Zusatzstoffe aus. Die Ummantelung sorgt für beste Eigenschaften der Späne als Trittschalldämmung und verbessert die Brandschutzeigenschaften sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Schimmel und Schädlinge.

Durch die besondere Form der Späne eignen sich das Material als gebundene Schüttung und kann zum Beispiel als Ausgleichsschicht unter schwimmenden Estrichen oder unter verschiedenen Trockenbaustoffen eingesetzt werden. 

Naturdämmstoffe

Natürliche Dämmstoffe sind mittlerweile in großer Zahl erhältlich und weitgehend bautechnisch normiert. Je nach verwendetem Material und Herstellungsverfahren unterscheiden sich die Dämmmaterialien in Struktur, Form und dem erreichten Wärmedämmmaß. Folgende Dämmstoffe sind besonders bekannt und werden immer öfter eingesetzt:

Flachs

Flachs gehört zu den ältesten Kulturpflanzen und wird traditionell in vielen Bereichen eingesetzt. Dämmplatten aus Flachs bestehen aus den Stängeln der Pflanze. Diese werden mechanisch aufbereitet und zu Vlies verarbeitet. Flachsdämmung ist für die diffusionsoffene Bauweise besonders gut geeignet und wird als Unter- oder Zwischensparrendämmung von Dächern, für die Ausfachung von Ständerkonstruktionen oder für die Dämmung von Außenwänden eingesetzt. Flachs ist normal entflammbar (B2), die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,040-0,045 W/(mK) 

Hanf

Hanf gehört ebenfalls zu den alten Kulturpflanzen und wird als Dämmung zu Vliesen und Matten verarbeitet. Die Stängel werden aufgefasert, durch den Zusatz von Borsalzen wird die Brandschutzklasse B2 erreicht. Viele Hanfdämmstoffe sind mit Hilfe von Polyesterstützfasern stabilisiert, mittlerweile gibt es auch Produkte mit pflanzlichen Stützfasern. Die Wärmeleitfähigkeit von Handdämmung beträgt 0,040-0,045 W/(mK), eingesetzt wird der Dämmstoff als Unter- und Zwischensparrendämmung, als Wanddämmstoff im Trockenbau oder als Trittschalldämmung. 

Holzweichfaserplatten

Holzweichfaserplatten bestehen aus entrindetem Restholz, das zu feinen Fasern verrieben und unter Wärme und Druck verpresst wird. Die holzeigenen Harze verkleben die Fasern und sorgen für einen stabilen Verbund, zusätzliche Bindemittel sind nicht nötig. Der Brandschutz wird mit Hilfe von Ammoniumsulfat verbessert, ökologische Holzweichfaserplatten können durch die Zugabe von Naturharzen imprägniert werden. Die Platten sind für die Aufdach- und Zwischensparrendämmung geeignet, auch für die Wand- oder als Trittschalldämmung kommt der Dämmstoff in Frage. Die hohe Festigkeit macht die Platten auch als Putzträger für das WDVS geeignet, die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,040-0,055 W/mK. 

Zellulose

Zellulose wird in Flockenform als Dämmstoff verwendet und aus Altpapier hergestellt. Die Flocken werden gerne in der Altbausanierung eingesetzt, nehmen aber auch im Neubau immer mehr an Bedeutung zu. Durch den Zusatz von Borsalz können die Flocken in die Baustoffklasse B2 eingeordnet werden und eignen sich für die Dämmung von Lufträumen oder als Dämmstoff im Holzrahmenbau. Die Wärmeleitfähigkeit der Zellulose liegt zwischen 0,040-0,045 W/(mK), eingebaut wird der schadstofffreie Dämmstoff durch loses oder offenes Aufschütten, durch Einblasen in luftdichte Hohlräume sowie im Feuchtsprühverfahren. Weiterhin ist Zellulose auch als Plattenmaterial erhältlich. 

Weitere

Neben den genannten Dämmstoffen gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, Naturstoffe für die Wärmedämmung einzusetzen. So zum Beispiel Kokosfaser, Kork, Perlite, Schafwolle oder Schaumglas.

Naturfarben und Putze

Natürliche Wandfarben und Putze sorgen dafür, dass im Inneren des Hauses ein behagliches Raumklima vorherrscht. Lehm und Kalk sind sowohl für den Anstrich als auch für den darunterliegenden Innenputz wichtige Grundstoffe. Unter den ökologischen und natürlichen Farben unterscheidet man folgende Gruppen:

Kalkfarben

Kalkfarben bestehen aus gelöschtem Kalk, Wasser und mineralischen Pigmenten. Der diffusionsoffene Anstrich ist wischbeständig und feuchteunempfindlich sowie resistent gegen Schimmel und andere Schädlinge.

Kaseinfarben

Kaseinfarben bestehen aus Kasein, dem Hauptbestandteil des Milcheiweißes und Farbpigmenten. Durch Zusatz von Kalk wird die Farbe unempfindlich gegen Bakterien und Pilze und das Kasein wird besser vernetzt und haltbarer. Die diffusionsoffene Farbe ist für nahezu alle Untergründe geeignet. 

Lehmfarben

Lehmfarben bestehen aus einer Mischung aus feinem Lehm, mineralischen Pigmenten und Wasser. Die Farbe lässt sich einfach verarbeiten und ist in vielen Nuancen erhältlich. Der Auftrag ist mit Pinsel, Rolle oder Spritzpistole möglich. Lehmfarbe haftet auf allen saugenden Untergründen und wird vorzugsweise in zwei Schichten aufgetragen. Dies verbessert die Deckkraft. Lehm wirkt feuchteausgleichend, ist in der Lage, Gerüche zu absorbieren und wisch-, jedoch nicht wasserfest. Deshalb ist die Farbe für Feuchträume und Spritzwasserbereiche nicht geeignet. 

Naturharz-Dispersionsfarben

Naturharz-Dispersionsfarben sind wie herkömmliche Dispersionsfarben für fast alle Untergründe geeignet. Als Bindemittel werden Naturharze eingesetzt, in der Regel sind die Farben frei von Lösemitteln und können mit Wasser verdünnt werden. Wichtiger Bestandteil der Farben sind natürliche Füllstoffe wie Talkum und Zellulose, Kreide und Titanoxid sind als Weißpigmente zugesetzt und ermöglichen leuchtende Farben. 

Silikatfarben

Silikatfarben sind im Innen- wie im Außenbereich geeignet. Durch den Zusatz von Wasserglas werden die Farben besonders strapazierfähig und sehr fest, da das Wasserglas beim Trocknen verkieselt und sich mit dem Untergrund verbindet. Silikatfarben sind diffusionsoffen und wischfest. Besonders gut geeignet ist die Farbe für gips-, kalk- und zementhaltige Untergründe. 

Fazit: Nachhaltig leben dank Ökobilanz

Ökologische Baustoffe leisten einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Bauen. Neben der meist positiven Ökobilanz punkten die Materialien durch ihre Schadstofffreiheit und sind damit gut für die Umwelt wie auch für das gesunde Wohnklima im Inneren des Gebäudes.