Innenputze und Naturfarben

Eine hohe Wohnqualität ist für viele Verbraucher heute ein Muss. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine gesunde Wohnumgebung besonders wichtig. Dazu gehört zum Beispiel eine angenehme Raumluftfeuchte, aber auch eine schadstofffreie Umgebung. Mit Naturfarben und Naturputzen lassen sich diese Ziele gut erreichen.

colourbox.de

Natürliche Putze für den Innenausbau

Der steigende Bedarf an natürlichen Bauprodukten für den Innenausbau hat ein vielfältiges Angebot geschaffen. Zahlreiche Materialien in den verschiedensten Ausführungen sind für die Wandgestaltung im Innenbereich verfügbar. Einige der Naturmaterialien lassen sich leicht kombinieren und ermöglichen damit einen natürlich gesunden Innenausbau mit System.

Klimaspezialist Kalkputz – nichts als Natur

Einer der natürlichsten Innenputze ist schon seit tausenden von Jahren bekannt: Kalkputze wurden bereits in der Antike verwendet und sind heute zunehmend wieder populär.

Eigenschaften

Der Klimaspezialist wirkt gleichzeitig atmungsaktiv, reguliert die Raumluftfeuchte und speichert die Wärme im Raum, teilweise können auch Schadstoffe aus der Raumluft im Putz gebunden werden. Kalkputz hat einen hohen Anteil an alkalischen Inhaltsstoffen und wirkt deshalb desinfizierend. Auf dem anorganischen Milieu haben Algen und Pilze keine Chance, sich festzusetzen, deshalb ist Kalkputz auch in der Altbausanierung sehr beliebt. Kalkputz eignet sich durch seine Fähigkeit zur Feuchteregulierung auch für Feuchträume. Die offenporige Struktur saugt Wasser auf und lagert es ein, sinkt die Luftfeuchtigkeit unter den Sättigungswert, wird die Feuchtigkeit wieder abgegeben. In Spritzwasserbereichen darf der Putz allerdings nicht angewandt werden, denn Kalkputz ist nicht wasserfest. Fliesen oder Wasser absperrende Anstriche in den gefährdeten Bereichen schaffen hier Abhilfe. 

Putzarten

Kalkputz ist in verschiedenen Rezepturen erhältlich, die Zusammensetzungen sind in der DIN V 18 550 „Putze und Putzsysteme“ klassifiziert. Unterschieden werden drei Putzarten:

  • Luftkalkputz besteht aus Sumpfkalk und Sand und gehört in die Putzklasse

P I a – Innen- und Außenputze mit geringer Beanspruchung

  • Wasserkalkputz wird aus Kalkhydrat und Sand angemischt und in der Putzklasse P I b klassifiziert, dort sind Innen- und Außenputze mit geringer Beanspruchung eingeordnet.
  • Hydraulischer Kalkputz besteht aus hydraulischem Kalk und Sand und gehört zur Putzklasse P I c – Innenputz für Räume mit normaler Beanspruchung inklusive Feuchträume.

Vorteile

Welche spezifischen Eigenschaften Kalkputz mitbringt, hängt von den genauen Anteilen der Inhaltsstoffe ab. Auch die Körnung des Zuschlagstoffes ist von Bedeutung. Neben Sand können auch Puzzolane wie Ziegelmehl oder Trass sowie Additive, die die Verarbeitung erleichtern, beigemischt sein. Dazu gehören zum Beispiel Luftporenbildner oder Stoffe, die der Wasserrückhaltung dienen.

Zusammengefasst haben Kalkputze folgende Eigenschaften aufzuweisen, die das Baumaterial für das ökologische und nachhaltige Bauen besonders geeignet machen:

  • Atmungsaktiv
  • Beständig durch die zunehmende Verkieselung der Oberfläche
  • UV-beständig
  • Reaktionsträge
  • Alterungsunempfindlich
  • Leicht zu reinigen und unempfindlich gegen Verschmutzungen
  • Leicht zu überstreichen
  • Dauerhaft haltbar auf tragfähigen Untergründen

Ideal ergänzt wird Kalkputz durch Kalkfarben und -lasuren, die ähnliche Eigenschaften aufweisen. Ebenso möglich sind Anstriche mit Dispersionsfarben auf Naturharzbasis, Lehmfarben oder Silikatfarben.

Lehmputze – Lehm, Sand und Wasser

Lehmputze sind ausgesprochen vielseitig in der Anwendung und bestehen ausschließlich aus natürlichen Stoffen.

Eigenschaften

Im Gegensatz zu anderen Putzen härtet Lehmputz nicht durch chemische Reaktionen aus, sondern trocknet an der Luft. Dadurch wird das Material besonders leicht zu handhaben und kann unter Wasserzugabe wird plastisch und verarbeitbar gemacht werden. Lehmputz besteht aus Tonen und Lehmen, Sand sowie Wasser in unterschiedlichen Anteilen. Dadurch werden keinerlei Schadstoffe aus dem Baustoff an die Luft abgegeben. Ganz im Gegenteil ist Lehm in der Lage, Luftschadstoffe aufzunehmen und zu binden. Weiterhin ist Lehm in besonderem Maße fähig, die Luftfeuchtigkeit durch Wasseraufnahme und -abgabe zu regulieren.

Durch die hohe und nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit sowie die Möglichkeit, das Material regional abzubauen und die vollständige Recycelbarkeit ist Lehmputz in seiner Ökobilanz besonders nachhaltig. Lehmputz ist als Innenputz für alle Räume geeignet, lediglich im Spritzwasserbereich müssen Wasser absperrende Anstriche aufgetragen werden, da das Material nicht wasserfest ist.

Theoretisch lässt sich Lehmputz ganz leicht selbst herstellen, in der Regel werden jedoch fertige Mischungen aus dem Handel bezogen. Diese Mischungen sind in verschiedenen Feinheitsgraden und Farbschattierungen erhältlich und ergeben entsprechende Strukturen und Oberflächen.

Hinweise

Für eigene Mischungen und die Anwendung von Lehmputz sind folgende Hinweise nützlich:

  • Fetter Lehm neigt durch starkes Schwindverhalten zu Rissbildung. Zum Abmagern empfiehlt sich die Zugabe von Estrichsand für Unterputz sowie Sand oder feinem Sägemehl für Feinputze.
  • Unterputz darf fetter und faserhaltiger sein als Feinputz, feine Haarrisse sind sogar vorteilhaft und begünstigen die Haftung des Oberputzes.
  • Deckenputz muss fetter und faserhaltiger angemischt werden als Wandputz, darf aber dennoch nicht so fett sein, dass er reißt.
  • Feinputzmischungen bestehen in der Regel aus Lehm und feinkörnigem Sand. In Bereichen, in denen eine hohe Elastizität wichtig ist, empfiehlt sich die Zugabe von feinen Faserstoffen.

Vorteile

Lehmputz als Innenputz vereint eine große Anzahl von Vorteilen, die bereits bei der Verarbeitung und insbesondere auch hinsichtlich der Wohnqualität zum Tragen kommen. Neben seinen technischen Vorteilen erzeugt Lehm an der Wand ein heimeliges und behaglich-warmes Wohngefühl. Alle Vorteile von Lehmputz auf einen Blick:

  • Verbessertes Raumklima durch Regulation der Raumluftfeuchte
  • Elektrostatische Neutralität
  • Geruchsabsorbierend und schadstoffbindend
  • Umweltfreundlich und ressourcenschonend
  • Vollständig recycelbar

Überstrichen werden kann Lehmputz mit allen gängigen Farben. Um die Eigenschaften des Materials für die Wohnqualität zu nutzen, empfiehlt sich eine diffusionsoffene Farbe. Ideal ist natürlich Lehmfarbe, aber auch Kalkfarben sind zum Überstreichen bestens geeignet.

Lehmfarben – nicht nur auf Lehmputz eine gute Idee

Natürliche Farben

Naturharzdispersionsfarben – gut deckend und leicht zu verarbeiten

Naturharzdispersionsfarben sind vielseitig einsetzbar und haften auf allen tragfähigen Untergründen wie herkömmliche Dispersionsfarbe auch. Die Farben sind für mineralische Untergründe, Trockenbauplatten, Tapeten und zum Überstreichen von Altanstrichen gleichermaßen geeignet. Zur Naturfarbe wird der Baustoff durch den Austausch der chemisch-synthetischen Inhaltsstoffe durch natürliche Substanzen.

Die Farben sind lösemittelfrei und wasserverdünnbar und enthalten ökologisch und gesundheitlich unbedenkliche Borsalze und pflanzliche Öle. Naturharze dienen als Bindemittel, die Farbgebung wird unter anderem über Kreide und Titandioxid als Weißpigmente gesteuert. Als Füllstoffe dienen Talkum und Zellulose. Die Naturharzdispersionsfarben sind wisch- und wasserfest, Grenzen sind den Farben im Bereich der Intensität gesetzt. Die weißen Farben können abgetönt werden und zwar bis zu einem mittelintensiven Farbton. Volltöne und stark satte Farben werden eher durch Lehmfarben erreicht. 

Lehmfarben – nicht nur auf Lehmputz eine gute Idee

Lehmfarbe besteht aus Ton, Sand, Pigmenten und Wasser. Die fertigen Mischungen in Pulverform lassen sich unter Zugabe von Wasser zu einer streichfähigen Farbe anrühren, die leicht zu verarbeiten ist. Die Farbe wird dünnflüssig angerührt und mit Quast oder Rolle verstrichen. In der Regel wird Lehmfarbe in zwei dünnen Schichten aufgetragen. Wie Lehmputz auch absorbiert die Farbe unangenehme Gerüche und reguliert die Raumluftfeuchte, aufgrund der dünnen Stärke allerdings in geringerem Maße. Damit Lehmfarbe zuverlässig auf dem Untergrund hält, muss dieser in vielen Fällen grundiert werden. Eine Grundierung ist auf allen saugfähigen Untergründen wie auch auf Lehmputz zu empfehlen. Die Trockenzeit der Farbe verlängert sich, dadurch kommt es nicht zum Aufbrennen der Farbschicht. Verschiedene Hersteller bieten heute bereits Lehmfarbe an, die ohne Vorbehandlung des Untergrundes aufgestrichen werden kann. In jedem Fall ist der Untergrund auf seine Tragfähigkeit zu überprüfen und muss, sauber, trocken sowie fettfrei sein. Lehm kann nicht nur als Farbe, sondern auch als Lehmstreichputz aufgetragen werden. Durch die Zugabe von feinem Sand entsteht eine deckende und strukturierende Farbschicht. Die Struktur hängt vom gewählten Auftragswerkzeug ab. Lehmfarbe ist dagegen je nach Mischungsverhältnis leicht durchscheinend und erinnert eher an eine Lasur.

Kalkfarben

In Kalkfarbe sind gelöschter Kalk, der sogenannte Sumpfkalk, Wasser und Pigmente enthalten. Bevor die Dispersionsfarben entwickelt wurden, war diese Farbe das wichtigste Anstrichmittel im Innenbereich. Der Kalk ist Bindemittel und Pigment zugleich, durch die Zugabe weitere mineralischer Pigmente und Bindemittel wird die Deckkraft der reinen Kalkfarbe erhöht. Die guten bauphysikalischen Eigenschaften der Kalkfarbe machen sie für Anstriche im Innenbereich bestens geeignet. So ist die Farbe stark diffusionsoffen, wischbeständig und feuchtigkeitsregulierend. Durch die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und wieder abzugeben, kann Kalkfarbe auch in Feuchträumen angewandt werden. Die rein anorganische und alkalische Farbe ist ebenso für die Sanierung bestens geeignet, durch die rein anorganische Zusammensetzung haben Algen oder Pilze keine Chance, sich anzusiedeln. Damit die guten Eigenschaften der Kalkfarbe in diesem Bereich erhalten bleiben, muss der Pigmentanteil auf 5 % begrenzt sein, weiterhin sind nur kalkechte Pigmente als Zugabe geeignet. Durch diese Besonderheit können Kalkfarben nur in sanften, pastelligen Farben verstrichen werden. Für kräftige Farbtöne muss auf andere Wandfarben zurückgegriffen werden.

 

Silikatfarben – hochbeständig und rein natürlich

Silikatfarben sind beständige Wandfarben aus rein mineralischen Inhaltsstoffen. Die Farben werden im Innen- aber auch im Außenbereich für Fassadenanstriche verwendet. Gutes Wasseraufnahmevermögen, ein hoher ph-Wert und die rein anorganische Zusammensetzung machen die Farbe für Neu- und Altbauten gleichermaßen geeignet, auch in feuchtem Klima zeigt die Naturfarbe ihre guten bauphysikalischen Eigenschaften.

Silikatfarbe ist wasser- und wischfest und auch für Feuchträume geeignet. Die Farben enthalten keine Lösemittel oder andere gesundheitsschädliche Stoffe. Ihre besonderen Eigenschaften erhält die Farbe durch das enthaltene Kaliwasserglas. Die chemische Substanz sorgt für eine Verkieselung, die sich zum einen auf die Farbe selbst, zum anderen auch auf die Verbindung mit dem Untergrund bezieht. So haftet Silikatfarbe nicht einfach auf der Wandoberfläche, sondern ist mit den Molekülen verbunden. Dadurch wird die Farbe so ausgesprochen haltbar und bröckelt oder blättert nicht ab. Silikatfarbe ist in Pulverform oder als fertige Farbe erhältlich. Je nach Produkt und Hersteller enthalten die Silikatfarben bis zu 5 % Reinacrylat. Dieses verringert die Diffusionsoffenheit der Farbe.

Kaseinfarben – das Beste aus der Milch für den Wandanstrich

Kaseinfarben sind diffusionsoffen, wischfest und eignen sich für den Anstrich auf Raufasertapete sowie auf mineralischen Untergründen. Das Bindemittel dieser Naturfarbe ist Kasein, das als Hauptbestandteil im Milcheiweiß aus fettarmer Milch ausgefällt wird. Kasein hat eine hohe Bindekraft wie jahrtausendealte Höhlenmalereien noch heute dokumentieren. Die Farbe wird in Pulverform geliefert und mit Wasser angerührt. Durch den Zusatz von Kalk wird sie beständiger und widerstandsfähig gegen Algen- und Pilzbefall. Kaseinfarben sind absolut natürlich und schadstofffrei und zum Beispiel für Allergiker (ohne Milcheiweißallergie) als verträglicher Anstrich geeignet.

Leimfarben – abwaschbare Farbe aus natürlichen Zutaten

Leimfarbe wird aus einer Mischung aus Kreide, Stärke, Methylcellulose und Wasser hergestellt und enthält keinerlei Konservierungsmittel. Die Farben sind besonders für Allergiker sowie geruchs- und chemikaliensensible Menschen geeignet. Gestrichen werden können mit der bindefähigen Farbe zahlreiche Untergründe wie Gipskarton, Putz und Tapete. Nicht geeignet ist die Farbe für Feuchträume, das Überstreichen von ölhaltigen Farben und auf nichtsaugenden Untergründen.

Leimfarben gelten heute als veraltet und werden nur in Einzelfällen verwendet. Im Rahmen von Sanierungen ist zu beachten, dass Leimfarben nur schwer mit anderen Farben überstrichen werden können. Vor einem Neuanstrich sollte die vorhandene leimbasierte Farbe deshalb unbedingt abgewaschen werden. Bei der Produktauswahl ist zu beachten, dass einige Farben Polymerisatharze enthalten, um den Auftrag zu erleichtern. Diese Leimfarben lassen sich nur schwer wieder von der Wand entfernen, aber auch nicht gut überstreichen.