Fassade

Fassadenverkleidung mit keramischen Belägen

Fassadenverkleidungen müssen frost- und temperaturbeständig sein, Temperaturschwankungen ertragen und Witterungseinflüsse wie Feuchtigkeit, Luftverschmutzung oder Wind schadensfrei überstehen können. Diese Anforderungen können Fassadenverkleidungen aus keramischen Belägen erfüllen. Angewandt werden vier verschiedene Fassadenkonstruktionen, Voraussetzung für die Mängelfreiheit und eine lange Lebensdauer ist jeweils die fachgerechte Ausführung und die Beachtung der Richtlinien und Normen.

colourbox.de

Im Bereich der Fliesen und Platten sind neben Steinzeug auch Klinker- und Ziegelplatten für die Fassadengestaltung einsetzbar. Keramische Fliesen und Platten müssen bezüglich der Wasseraufnahme in den Gruppen Ia und Ib nach DIN EN 14411 „Keramische Fliesen und Platten - Begriffe, Klassifizierung, Gütemerkmale und Kennzeichnung“ klassifiziert sein. Dies gilt für trockengepresste und Fliesen und Platten ebenso wie für stranggepresste Platten. Fliesen und Platten mit einer Wasseraufnahmefähigkeit von 3 bis 10% sind dann zugelassen, wenn vom Hersteller die Frostsicherheit bestätigt ist.

Damit keramische Materialien frostsicher sind, müssen sie über einen dichten Scherben und eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit führen. Diese Eigenschaften können allerdings aufgrund der geringen Saugfähigkeit zu Haftungsproblemen führen. Deshalb muss der Porenanteil von Platten, die als Fassadenmaterial eingesetzt werden mindestens 20mm³/g betragen.

Fassadenkonstruktionen mit keramischen Fliesen und Platten

Es gibt vier verschiedene Möglichkeiten, eine Fassade mit keramischen Materialien auszuführen. Der Geschmack des Bauherren, aber auch die bauliche Situation und die Gebäudefunktion bestimmen, welche der Methoden gewählt wird:

Vorgemauerte Fassaden

Die Platten oder Fliesen werden als Verblendschicht vorgemauert. Man bezeichnet diese Fassadenart auch als Anmauerung. Über einen tragfähigen Untergrund, der fest mit dem Gebäude verankert ist, werden die Lasten abgetragen. Zusätzliche Verankerungen sorgen für zuverlässigen Halt der vorgemauerten Fläche. Die Befestigungsanker bestehen aus Baustahl und müssen mindestens 5cm tief in die Außenwand eingeschlagen werden, um die Windlasten zuverlässig aufzunehmen. Maßgebliche DIN-Norm ist die 18515-2 „Außenwandbekleidungen; Anmauerung auf Aufstandsflächen; Grundsätze für Planung und Ausführung“.

Die angemauerte Schicht darf eine Dicke zwischen 55 und 90mm aufweisen, wird der Grenzwert von 90mm überschritten, dann müssen die Vorgaben der DIN 1053-1 „Mauerwerk – Teil 1: Berechnung und Ausführung“ und DIN 1053-2 „Mauerwerk – Teil 2: Mauerwerksfestigkeitsklassen aufgrund von Eignungsprüfungen“ beachtet werden.

Diese verwendeten Spaltklinkerplatten besitzen auf der Rückseite Stege, die die Haftungsfläche vergrößern und den Halt auf dem Untergrund verbessern. Ebenso geeignet sind Natursteine oder Beläge aus Betonwerkstein. Als Mörtel sind die Gruppen MG II und IIa, bzw. P II und P IIa zugelassen. Durch einen Unterputz sowie einen Spritzbewurf wird die Haftung erhöht, Unebenheiten können ausgeglichen werden.

Angemörtelte Fassaden

Bei der angemörtelten Fassade werden Fliesen und Platten im Dickbettverfahren auf die Wandaußenseite geklebt. Die Haftung wird durch die Adhäsion des Ansetzmörtels erreicht. Ohne zusätzliche Verankerung dürfen Fliesen bis zu einer maximalen Plattenfläche von 0,10m² eingesetzt werden. Die maximale Seitenlänge der Fliesen darf 40cm betragen. Für die Dicke wird ein Höchstwert von 1,5cm angegeben. Wird dieses Maß überschritten, darf die einzelne Fliese nicht schwerer als 1,5kg sein und muss eine Haftungsfläche von mindestens 100cm² besitzen. Spaltplatten oder andere Platten mit profilierter Rückseite dürfen maximal 2cm dick sein.

Die angemörtelte Fassade ist selten geworden und wird heute kaum noch hergestellt. Lediglich im Spritzwasserbereich als Natursteinsockel wird die gemörtelte Fassade aus gestalterischen Gründen zum Teil noch realisiert. Möglich ist die Ausführung direkt auf den Verlegeuntergrund, auf einem bewehrten oder einem unbewehrten Unterputz. Für die Verlegung kann das Dünn- oder Dickbettverfahren angewandt werden. 

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden

Für vorgehängte hinterlüftete Fassaden mit keramischen Belägen werden meist großformatige Keramikplatten verwendet. Die Platten werden punktförmig auf einer Unterkonstruktion befestigt, die Befestigung kann verdeckt oder sichtbar erfolgen. Der schematische Regelaufbau einer hinterlüfteten Vorhangfassade besteht von innen nach außen aus

  • Tragschicht (auf der tragenden Wand befestigt)
  • Wärmedämmung
  • Luftschicht und Hinterlüftung
  • Fassadenplatten beziehungsweise -bekleidung

Keramische Fassadenplatten bestehen auf glasierten Steinzeugplatten in Formaten bis 1,25 x 1,25m als Standardgrößen oder auch aus trockengepressten Feinsteinzeugplatten. Die verwendeten Platten sind 8 bis 12mm dick.

Bei der Konstruktion einer Vorhangfassade mit keramischer Bekleidung ist zu beachten, dass es aufgrund von Längenänderungen durch Temperaturwechsel nicht zu Zwängungen kommt. Um dies zu unterbinden, müssen die Platten zwängungsfrei auf der Unterkonstruktion gelagert werden. Vermieden werden muss die Befestigung einzelner Platten auf unterschiedlichen Profilen der Unterkonstruktion. Die mechanische Befestigung kann durch Edelstahl- oder Aluminiumklammern erfolgen. Diese sichtbare Befestigung erfordert ebenso wie verdeckte Befestigungen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt. Die einzelnen Komponenten der Fassade müssen aufeinander abgestimmt und die geforderten Bedingungen eingehalten werden.

Für die verdeckte Befestigung, bei der die Befestigungspunkte innerhalb der Plattenebene liegen, können verschiedene Systeme eingesetzt werden:

  • Hinterschnittanker dienen als Befestigung von sogenannten Agraffen, die wiederum zur Aufhängung und Justierung der Platten dienen.
  • Verbundkörper sind runde Keramikscheiben, die auf der Platte aufgesintert sind. Sie enthalten eine nichtrostende Schraube, auf der die Agraffe befestigt wird.
  • Verklebung auf Aluminiumunterkonstruktionen für Gebäude bis 20m Höhe.

Pro Platte werden in der Regel vier Befestigungen an den Rändern angebracht. Die verdeckte Befestigung lässt die flächige Ausstrahlung der keramischen Fassadenplatten besonders zur Geltung kommen.

Wärmedämmverbundsystem

Wärmedämmverbundsysteme mit keramischen Fliesen und Platten werden auch als Kombinationsfassade bezeichnet. Die Fliesen werden nach der Befestigung der Wärmedämmung auf einen Untergrund von Armierungsmörtel, Gewebe und Keramikmörtel aufgeklebt. Die Fliesen sollten eine Größe von 30x30cm nicht überschreiten. Sind die Fassaden gerundet, dann können Mosaikfliesen oder andere kleinformatige Fliesen eingesetzt werden. Im Bereich der WDVS in Kombination mit keramischen Belägen werden Systeme mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung des DIBt eingesetzt. Die Anforderungen aus der DIN 18515-1 „Außenwandbekleidungen – Teil 1: Angemörtelte Fliesen oder Platten; Grundsätze für Planung und Ausführung, Abschnitt 7“ verlieren damit ihre Gültigkeit.

Die WDV-Systeme mit Klinkeroberflächen werden von den Herstellern auch als komplette Fassadenplatte mit Zusatzelementen wie Eck- und Leibungselementen oder speziellen Sturzlösungen angeboten. Bewegungsfugen sind in diesen Systemen in der Regel minimiert oder an die Gebäudeecken verlegt.