Fassade

Nordfassaden vor der „grünen Gefahr“ schützen

Grüne Fassaden haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Grün bedeutet in diesem Fall, dass sie von Algen befallen wurden. Insbesondere die Nordfassade ist hier gefährdet, kommt doch kaum ein Sonnenstrahl hin - entsprechend feucht und kalt ist es dort. Dies sind genau die Lebensbedingungen, die den Algen und auch Pilzen gefällt. Und so haben sie sich schnell an die neue „Nahrungsquelle“ gewöhnt und nehmen sich die Hausfassaden vor.

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Faktoren für die Entstehung von Algen und Pilzen

"Zu gute" Wärmedämmung

Ein Problem ist zudem, dass die Energieeinsparverordnung immer stärker gedämmte Gebäude verlangt. Vor allem Fassaden mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) zeigen daher immer häufiger ein „grünes Gesicht“, das den Hausbesitzern ein ebensolches beschert. Eigentlich soll eine gedämmte Fassade etwas Gutes bewirken – sie soll verhindern, dass im Winter wertvolle Wärme nach draußen entweicht. Doch solch ein Dämmstoff verhindert eben auch, dass Wärme von draußen im Dämmstoff gespeichert wird. Die Fassaden kühlen daher sehr viel schneller aus, so dass sich die Feuchtigkeit dort länger halten kann. Das gefällt dann wiederum den Algen und Pilzen. Auch wenn diese Pflanzen keine unmittelbare Gefahr für die Konstruktion darstellen, so sind sie doch nicht besonders schön anzuschauen. Neuere Untersuchungen haben zudem ergeben, dass Pilzsporen von der Fassade durch das geöffnete Fenster ins Gebäude gelangen und dort für Schimmel sorgen können.

Art und Struktur der Fassade

Neben der Wärmedämmung gibt es noch weitere Faktoren, die eine Algenbildung fördern können. So wachsen Algen und Pilze auf einem saugfähigen oder rauen und stark strukturiertem Putz sehr viel besser, als auf einer glatten Oberfläche. Was logisch ist, kann sich dort doch sehr viel mehr Feuchtigkeit ansammeln. Bei Deckputzen sollte daher auf eine kleinere Körnung zurückgegriffen und dem Putz weniger Struktur verliehen werden.

Fassadenfarbe und -beschichtung

Auch mit der Wahl der Fassadenfarbe kann auf einen möglichen Algenbefall reagiert werden. Auf einer weißen Fassade, die weniger stark aufgeheizt wird, bilden sich wesentlich schneller Algen, als auf einer dunklen Fassade. Auch die Art der Farbe beeinflusst die Algenbildung. Als besonders gut haben sich Silikat- und insbesondere Siliconharzfarben erwiesen, die besonders wasserabweisend sind. Um Algen und Pilze zu bekämpfen, werden vermehrt auch Biozide den Farben und Putzen beigemischt. Hier ist Vorsicht angesagt, besteht doch die Gefahr, dass sich diese mit der Zeit auswaschen und ins Grundwasser gelangen. Es sollten daher nur Biozide verwendet werden, die sich nach der Anwendung in ökologisch unbedenkliche Stoffverbindungen abbauen. Hilfreich können auch Fassadenbeschichtungen mit Lotuseffekt sein, können sich dadurch Feuchtigkeit und Algen doch erst gar nicht festsetzen.

Nicht nur die Nordfassade kann betroffen sein!

Besonders gefährdet für Algenbildung ist neben der Nordfassade auch die Wetterseite, die meistens die Westfassade ist. Auch diese Fassade ist tendenziell feuchter als eine Südfassade. Selbst diese kann aber auch von Algen befallen werden, wenn ein großer Baum einen mächtigen Schatten auf sie wirft. Eher Probleme bekommen auch freistehende Gebäude, die schutzlos der Witterung ausgesetzt sind. Fehlt dann auch noch ein Dachüberstand, stellen sich erst recht Probleme ein, weil die Fassade sehr viel schneller nass wird. Die Dächer sollten daher möglichst weit über die Fassade hinaus ragen.

Mögliche Lösung - Klinkerfassade

Wer auf eine Putzfassade verzichtet kann, der sollte sich für eine Klinkerfassade entscheiden. Dort lösen sich viele Probleme von alleine, denn Algen findet man dort eher selten. Dies hat mehrere Gründe. Die Klinker können zum Beispiel Wärme sehr gut speichern, Feuchtigkeit verdunstet also sehr viel schneller. Klinker haben als Tonerzeugnis auch eine Eigenschaft, die dafür sorgt, dass nicht so viel Feuchtigkeit aufgenommen wird. Durch die kapillare Struktur werden bei Regen nur sehr kleine Hohlräume gefüllt, der große Rest des Wassers fließt einfach an der Fassade ab. Dadurch muss also nur das Wasser aus den Kapillaren verdunstet werden. Es ist im Übrigen auch gar kein Problem, aus einer Putzfassade nachträglich noch eine Klinkerfassade zu machen – sofern das Bauordnungsamt nicht ausdrücklich eine Putzfassade vorschreibt, um den einheitlichen Charakter eines Baugebiets zu wahren.