Fassade

Holzfassaden als Außenwandgestaltung und Schutz

Traditionell sind Fassaden aus Holz in Deutschland eher selten, erfreuen sich aber zunehmend größerer Beliebtheit. Der Grund dafür liegt in der Witterungsbeständigkeit des Materials und der Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten. Hinzu kommt die Schutzfunktion der tragenden Außenwand. Für eine lange Haltbarkeit kommt insbesondere dem konstruktiven Holzschutz nach DIN 68 800 eine wichtige Bedeutung zu.

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Die hinterlüftete Vorhangfassade

Vorhangfassaden sind im Industrie- und Gewerbebau anzutreffen und finden sich ebenso im Wohnungsbau. Die Außenhaut, die als Wetterschutzschicht dient, kann aus vielen verschiedenen Materialien wie Metall, Natursteinplatten oder Werkstoffplatten gefertigt sein, zunehmend wird der natürliche Baustoff Holz immer beliebter.

Kennzeichnend für die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) ist die Luftschicht zwischen der gedämmten Gebäudehülle und der Außenhaut. Sie sorgt für die Durchströmung der Konstruktion mit Frischluft und verhindert, dass Schäden durch bleibende Feuchtigkeit entstehen. Die Trennung zwischen Wand und Wetterschicht ermöglicht eine vollflächige Wärmedämmung direkt an der Tragkonstruktion und sorgt für verbesserten sommerlichen wie winterlichen Wärmeschutz. Als Regelwerk für die VHF dient die DIN 18516 „Außenwandbekleidungen, hinterlüftet“.

Regelquerschnitte für Vorhangfassaden aus Holz

Generell besteht die vorgehängte Holzfassade aus vier Schichten, die von außen nach innen folgendermaßen aufgebaut sind:

Die Außenhaut aus Holz bildet die Wetterschutzschicht und hält Schlagregen und Feuchtigkeit ab. Die Außenhaut ist auf einer Unterkonstruktion befestigt, die wiederum mit Hilfe von Konsolen an die tragende Außenwand angeschlossen ist. Durch ein System aus Lattung und Konterlattung sind die Durchlüftung sowie der sichere Halt der Fassade gewährleistet.

Die Luftschicht ist über Zuluft- und Abluftöffnungen an die Außenluft angeschlossen, so ist eine dauerhafte Luftzirkulation gegeben. Die Öffnungen werden mit Gittern gegen Insekten oder andere Eindringlinge geschützt.

Die Dämmebene umschließt idealerweise das gesamte Gebäude lückenlos. Möglich ist die Verwendung von Mineralwolle, Hartschaumplatten, Holzfaserdämmstoffen oder Glasschaum, entscheidend ist, dass der gewählte Dämmstoff hydrophob, also wasserabweisend ist. Die Dicke der Dämmschicht richtet sich nach der Bemessung gemäß der Energieeinsparverordnung. Den Abschluss zur Luftschicht hin bildet gegebenenfalls eine Windsperre. 

Die Tragkonstruktion bildet den eigentlichen Abschluss des Gebäudes und ist entweder als massives Mauerwerk, als Holzskelettbau oder als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt. Die Lasten auf die Fassade werden über die Unterkonstruktion an die Tragstruktur abgetragen.

Neben dem Aufbau der Fassade bauseits sind auch Fassadenelemente mit hohem Vorfertigungsgrad erhältlich. Dadurch lässt sich die Vorhangfassade besonders wirtschaftlich und mit kurzen Bauzeiten montieren. 

Dämmung von Holzfassaden

Dämmstoffe, die als Dämmung von Vorhangfassaden eingesetzt werden, müssen für diesen Einsatzzweck geeignet sein. Sie werden ein- oder mehrlagig und möglichst lückenlos auf der Tragkonstruktion befestigt, nachdem die Unterkonstruktion montiert ist. Zum größten Teil werden Fassadenplatten aus Glas- oder Steinwolle eingesetzt, werden die Anforderungen an den Brandschutz beachtet, ist ebenso der Einsatz von Hartschaumplatten möglich. Im ökologischen Hausbau werden Holzfaserdämmplatten oder Korkplatten (zugelassen bis zwei Vollgeschosse) verwendet. Bei der Auswahl des Dämmstoffes ist darauf zu achten, dass das Material als Fassadendämmplatte geeignet ist (Anwendungstyp WAB) und den Vorschriften der DIN EN 13162 bis 13171 entspricht.

Das richtige Holz für Vorhangfassaden

Holz, das für die Wetterschicht einer hinterlüfteten Vorhangfassade verwendet wird, muss für den Außenbereich geeignet sein. Nach DIN EN 1995-1-1 / Eurocode 5 entspricht die Anwendung der Nutzungsklasse 2 (überdachte offene Bauwerke) bis 3 (Konstruktionen, die der Witterung ausgesetzt sind). Diese Einteilung darf nicht mit den Gebrauchsklassen verwechselt werden, in denen die Anforderungen an verbautes Holz zum Beispiel hinsichtlich der Dauerhaftigkeit festgelegt sind.

Verwendbar als Material für die Außenfassade sind Vollhölzer und Holzwerkstoffplatten, Brettschichtholz oder keilverzinktes Vollholz ist nur in den Nutzungsklassen 1 und 2 zugelassen. Grundsätzlich können unter Beachtung des konstruktiven Holzschutzes alle einheimischen Hölzer verwendet werden, aufgrund ihrer höheren Dauerhaftigkeit sind Lärche und Douglasie besonders beliebt. Bleibt das Holz unbehandelt, kommt es zum natürlichen Vergrauen der Oberflächen, Schutz davor bieten pigmentierte Beschichtungen, die Feuchtigkeit und UV-Strahlung abhalten.

Konstruktiver Holzschutz als Fassadenschutz

Durch wirksamen Holzschutz wird die Lebensdauer der Fassade maßgeblich erhöht. In der DIN 68 800 sind die entsprechenden Vorgaben zu finden, in der neuesten Fassung des Normenwerks wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dem konstruktiven Holzschutz der Vorzug vor chemischen Maßnahmen gegeben werden soll.

An erster Stelle steht beim konstruktiven Holzschutz die Wahl eines entsprechend geeigneten Holzes für die Außenhaut der Fassade. Das gewählte Material muss eine möglichst hohe Dauerhaftigkeits- und Resistenzklasse aufweisen. Hinzu kommen konstruktive Maßnahmen, die schädliche Einflüsse minimieren oder gänzlich fernhalten. Dies können zum Beispiel direkte oder indirekte Bewitterung, Tauwasserbildung oder chemische Schadstoffe aus der Luft sein.

Regeln für den konstruktiven Holzschutz

Für den konstruktiven Holzschutz der Vorhangfassade gelten verschiedene Regeln:

  • Holzkanten abrunden, um die Kantenflucht zu vermeiden
  • Ablaufschrägen an Horizontalflächen vorsehen
  • Kreuzverbände vermeiden, vorhandene gegen Wasserrückstau schützen
  • Insektensperren vorsehen, um Schädlingsbefall zu vermeiden
  • Sockelhöhe von mindestens 30cm als Spritzschutzbereich

Im Bereich der Fassade wird besonders die 60-Grad-Regel angewandt. Diese Regelung, die in den Erläuterungen der DIN 1052 (Holzbaunorm) erwähnt wird besagt, dass eine Holzfassade durch den Dachüberstand mindestens gegen einen Regenanschlag von 60 Grad abgedeckt werden soll. Dies ist erreicht, wenn eine Linie vom Fußpunkt des Gebäudes bis zur Dachtraufe einen Winkel von maximal 60 Grad zur Waagrechten einnimmt. Neben dem Hauptdach können auch Vordächer oder schmale Wetterdächer diese Schutzfunktion unterstützen. Ob die 60-Grad-Regel Sinn macht, sollte in jedem Einzelfall geprüft werden. 

Vorteile der Holzfassade auf einen Blick

  • Holz ist ein ressourcenschonendes und vielseitiges Baumaterial.
  • Durch die gute Bearbeitbarkeit sind viele Gestaltungen möglich.
  • Hinter der Fassade kann hochwertige Wärmedämmung installiert werden.

 In Kombination mit konstruktivem Holzschutz sind Holzfassaden auch ohne Anstrich langlebig.