Bauen mit Holz

Der Blockhausbau

Holz gilt neben Lehm als ältester Baustoff. Das Blockhaus entstand vermutlich als Nachfolger der Pfahlbauten, die in Europa bis ins späte Mittelalter zu den bevorzugten Konstruktionsformen galten. Die ersten bekannten Blockhäuser wurden in Skandinavien sowie in Ost- und Nordeuropa errichtet. Heute haben sich Blockhäuser zu komfortablen Wohnhäusern mit vielen Vorzügen entwickelt. Durch die Möglichkeit der industriellen Vorfertigung verbinden sich im Blockhausbau bewährte Bautradition und neueste Technik.

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Industriell vorgefertigte Blockhäuser können in Vierkant- oder Rundblockbauweise hergestellt werden. Durch ein hohes Maß an Vorfertigung im Werk wird die Qualität der Materialien gesichert, auf der Baustelle werden die vorproduzierten Bauteile mit kurzer Bauzeit montiert. Eckverkämmungen zwischen den Balkenlagen und unsichtbare Dichtungsbänder sowie verschiedene weitere konstruktive Details sorgen für maximale Dichtigkeit und guten Wärmeschutz. Besonders wichtig bei der Konstruktion eines Blockhauses ist die Beachtung der Setzung. Details wie zum Beispiel T-Leisten werden eingesetzt, um eine schadensfreie Setzung im Bereich der Fenster und Türen zu ermöglichen. In mehrschaligen Wandaufbauten und bei Bauwerksanschlüssen übernehmen Gleitbeschläge diese Aufgabe. Für den Wandaufbau sind verschiedene Konstruktionen möglich. Massive Blockhäuser besitzen eine hohe Stabilität und eine lange Lebensdauer.

Wandaufbauten im Blockhaus

Als Außenwandkonstruktion im Blockhausbau haben sich verschiedene Wandaufbauten etabliert. Dabei gilt: Je mehr Holz in einer Außenwand verarbeitet ist, umso kostenintensiver ist sie. Grund dafür sind die hohen Holzpreise, die entsprechende Dämmmasse ist im Vergleich dazu günstiger.

Die einschalige Blockhauswand

Traditionell besteht die Außenwand eines Blockhauses aus massiven Holzbohlen. Die aktuellen Anforderungen der Energieeinsparverordnung für Außenwände werden nur bei entsprechender Materialstärke erfüllt. So sollten einschalige Vierkantblockbalkenwände eine Dicke von 200mm nicht unterschreiten, für Rundbohlenwände ist ein Mindestquerschnitt von 210mm empfohlen. Hinsichtlich der Realisierung von komplizierten Grundrissen über mehrere Ebenen sind der einschaligen Wand Grenzen gesetzt. Als Alternative kann das Obergeschoss samt Kniestock auch in Holzrahmenbauweise ausgeführt werden.

Doppelblockwände

Doppelblockwände bestehen aus zwei parallel verlaufenden Blockwänden, zwischen denen eine Dämmebene verläuft. Bei der Planung wie auch bei der Ausführung muss bedacht werden, dass sich die Innenwände schneller setzen als die Außenwände. Grund dafür sind die unterschiedlichen Umgebungsverhältnisse. Um Bauschäden zu vermeiden, müssen formstabile und setzungsarm verleimte Blockbalken verwendet werden, ansonsten kann es durch Setzungsschäden zu Rissen und Verformungen zu kommen. Bauschäden durch Undichtigkeiten sind die Folge.

Zweischalige Blockhauswände

Zweischalige Wände im Blockhausbau bestehen aus einer tragenden Blockbalkenwand sowie einer Dämmschicht, die wahlweise innen oder außen angebracht werden kann. Wird die Dämmschicht innen angewandt, dann ist folgender Aufbau (von außen nach innen) zu empfehlen:

  • Blockbohlenwand aus Vierkant- oder Rundholzbalken mit mindestens 95mm Querschnitt
  • Dämmschicht
  • Blockpaneel oder Gipskarton

Innenwandkonstruktion oder Außendämmung?

Die Innenwandkonstruktion muss auf jeden Fall setzungsfrei ausgeführt werden, das heißt, sie muss von der Blockwand entkoppelt sein. Durch die Entkopplung können die Innenwände je nach Wunsch gefliest oder beplankt werden. Ein weiterer großer Vorteil dieser Konstruktion: Alle Installationsleitungen können in der Dämmebene verlegt werden, es besteht insgesamt eine große Gestaltungsfreiheit im Innenbereich. Als Nachteil ist zu bewerten, dass der typische Blockhauscharakter in den Innenräumen verloren geht, auch die regulierende Wirkung des Baustoffes Holz auf das Raumklima kommt nicht zum Tragen.

Andersherum kann die Dämmung auch als Außendämmung aufgebracht werden. Dann bleibt im Inneren der Holzcharakter des Hauses bestehen. Der Aufbau gestaltet sich von außen nach innen zum Beispiel folgendermaßen:

  • Blockpaneel mit Hinterlüftung oder andere vorgehängte Fassade
  • Windschutzplatte (z.B. Holzfaserplatte)
  • Wärmedämmung
  • Windschutzpapier
  • Vierkantbohle mit mind. 95mm Stärke als geleimter Blockbalken

Diese Wandkonstruktion gehört zu den besten fürs Blockhaus, wenn sie fachgerecht ausgeführt ist. Durch den höheren Arbeits- und Materialaufwand ist dieser Aufbau jedoch auch besonders kostenintensiv. Weiterhin muss bei diesem Wandaufbau die gesamte Installation vorab gründlich geplant werden, da die Leitungen und Verrohrungen bereits beim Zuschnitt mit eingearbeitet werden.

Innenwände im Blockhaus

Die Innenwände im Blockhaus können ebenfalls als unterschiedliche Konstruktionen ausgeführt werden. So können die Innenwände ebenfalls aus Blockbohlen aufgebaut werden. Eine Variante besteht darin, die nichttragenden Innenwände als leichte Trennwände auszuführen und mit Gipskarton oder Blockpaneelen zu verkleiden. Auch gemauerte Wände sind möglich. Für alle Formen der Innenwand gilt, dass sie in die Blockhauskonstruktion integriert werden müssen. Dies betrifft den konstruktiven Anschluss ebenso wie die Optik. Eine Verbindung mit Langlochanschlüssen berücksichtigt das in der Regel unterschiedliche Setzungsverhalten.

Zu erwartendes Setzmaß

Das zu erwartende Setzmaß kann mit folgender Formel ermittelt werden:

(Gemessene Holzfeuchte – zu erwartende Holzfeuchte) x (Raumhöhe bis Unterkante Deckenbalken x 0,24mm)

Ein Reservezuschlag von 20% auf das Ergebnis schützt vor bösen Überraschungen.

Montagevarianten im Blockhausbau

Mit dem Maß der Eigenleistung sinken im Blockhausbau die Kosten. Welche Montagevariante ausgewählt wird, hängt von der Zeit und auch der Kenntnis des Bauherren ab. Gelegentlich unterschätzen diese jedoch den Aufwand bei der Blockhausmontage und überschätzen die eigenen Fähigkeiten. Hinsichtlich der Blockhausanbieter ist zu beachten, dass es für die einzelnen Montagestufen keine einheitlichen Vorschriften gibt. Angebote und Leistungsbeschreibungen müssen deshalb besonders gründlich verglichen werden.

Das schlüsselfertige Blockhaus

Bauherren mit wenig Zeit oder ohne handwerkliche Erfahrung ist die schlüsselfertige Variante zu empfehlen. Gewählt werden kann hier in der Regel zwischen der Montage mit oder ohne Haustechnik, dem Hausherrn bleiben nur wenige Abschlussarbeiten. Bei der schlüsselfertigen Variante muss das Leistungsangebot des Anbieters besonders gründlich geprüft werden, denn: Was nicht in der Baubeschreibung enthalten ist, wird auch nicht ausgeführt. In vielen Fällen werden schlüsselfertige Bauvorhaben (nicht nur im Blockhausbau) von Generalunternehmern ausgeführt. Der Vorteil ist, dass der Bauherr sich um nichts kümmern muss und die Abstimmung und Zusammenarbeit der einzelnen Gewerke häufig gut funktioniert. Nachträgliche Änderungen sind jedoch meistens kaum oder nur schwer durchzusetzen. Als Variante des schlüsselfertigen Bauens gilt die Komplett- oder Vollmontage: Die bauliche Hülle samt Wärmedämmung wird dann vom Anbieter montiert, um den Einbau der Haustechnik kümmert sich der Bauherr selbst.

Die Ausbaumontage ab Oberkante Fundament

In diesem Fall ist der Anbieter für den kompletten Holzbau zuständig, alle anderen Arbeiten wie Fundamentherstellung, Einbau der Wärmedämmung und kompletter Ausbau inklusive Innentüren und Treppen gehören nicht zum Angebot. Häufig ist die Dachdeckung in dieser Montagevariante mit enthalten. Ist dies nicht der Fall, wird die Ausbaumontage oft als „wetterfeste Rohbaumontage“ bezeichnet. Für den Bauherrn besteht hier die Möglichkeit, durch Eigenleistung Kosten zu sparen und selbst die günstigsten Anbieter für die einzelnen Gewerke zu finden. Für die reibungslose Koordination ist jedoch ein im Holzbau erfahrener Bauleiter ausgesprochen wichtig. Der Kostenvorteil wird oft von Problemen auf der Baustelle und einer verlängerten Bauzeit sowie späteren Baumängeln aufgesaugt.

Die Richtmeistermontage

Eine perfekte Lösung für Bauherren ohne Fachwissen, die dennoch viel Eigenleistung erbringen möchten, ist die Richtmeistermontage. Ein bis zwei Spezialisten arbeiten als Vorarbeiter auf der Baustelle mit. Sie koordinieren und überwachen die Arbeiten. Ergänzend sollten noch mehrere versierte Handwerker engagiert werden. Für eine gelungene Richtmeistermontage ist es empfehlenswert, den Spezialisten schon sehr früh in die Planung mit einzubeziehen. Vorteil der Richtmeistermontage ist die Kosteneinsparung durch Eigenleistung und der Spaß daran, am eigenen Hausbau mitzuarbeiten. Doch die Arbeiten sind körperlich sehr hart und viele Bauherren überschätzen sich in dieser Hinsicht.

Die komplette Eigenmontage

Handwerker und erfahrene Bauherrn können einen Bausatz für ein Holzhaus auch in kompletter Eigenmontage errichten. In diesem Fall wird lediglich das Material samt Montageplänen auf die Baustelle geliefert. Diese Variante zeigt sich auf den ersten Blick als die kostengünstigste, allerdings ist der Aufbau mit viel Zeitaufwand verbunden. Die Fehlerquellen sind gerade im Blockhausbau besonders zahlreich. Ausführungspannen machen sich als spätere Baumängel bemerkbar, die nur noch sehr kostenaufwendig zu beseitigen sind. Die Eigenmontage ist deshalb nur in Einzelfällen zu empfehlen.

DIN-Vorschriften im Blockhausbau

Neben den DIN-Normen für den Hausbau wie der DIN EN 1992 für Beton- und Stahlbetonarbeiten oder der DIN EN 1991 für Konstruktion und Aufbau der Dachkonstruktion sind im Blockhausbau verschiedene Normen rund ums Holz zu beachten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • DIN EN 1995, Bemessung und Konstruktion von Holzbauten
  • DIN 68 800, Holzschutz
  • DIN EN 13986, Holzwerkstoffe
  • DIN EN 1995-1-2, Brandschutz im Holzbau

Ein weiteres wichtiges Grundlagenwerk ist auch beim Blockhausbau die VOB. In ihren Teilen sind alle Regeln rund um die Vertragsgestaltung beim Hausbau zu finden.

Ausführungsregeln im Blockhausbau

An die Montage eines Blockhauses werden besonders hohe Anforderungen gestellt. Fehler sind aufgrund der speziellen Bauweise nur schwer nachträglich zu korrigieren.

Generelle Hinweise zur Montage von Blockhäusern

Unabhängig von der Konstruktion gelten verschiedene Punkte generell für die Montage von Blockhäusern:

  • Für die Anlieferung des Bausatzes müssen entsprechende Verkehrswege für schwere Fahrzeuge vorhanden sein.
  • Der Lagerplatz für den Bausatz muss trocken und sauber sein.
  • Die Montage selbst sollte von versiertem Fachpersonal, bzw. unter Aufsicht eines Richtmeisters durchgeführt werden.
  • Nachträgliche Konstruktionsveränderungen auf der Baustelle sollten vermieden werden. Sie können sich auf die Statik und mängelfreie Ausführung auswirken.
  • Änderungen auf der Baustelle dürfen nur nach Rücksprache mit dem Statiker erfolgen.

Regeln für den fachgerechten Aufbau

Für den Aufbau selbst gibt es ebenfalls wichtige Regeln, die sich in erster Linie um die fachgerechte Ausführung aller Arbeiten drehen. Hier die Wichtigsten:

  • Ein Blockhaus besitzt ausgesprochen viele Fugen. Jede davon muss entsprechend sorgfältig und fachgerecht abgedichtet werden.
  • Damit Ritzen und Spalten in den Außenwänden vermieden werden, muss bei der Montage die angegebene Festigkeit der Blockbalken erreicht werden.
  • Die Setzung wird über Spannstangen kontrolliert. Die entsprechenden Bohrungen werden bei der Vorfertigung eingearbeitet und müssen genutzt werden.
  • Die eingearbeiteten Dichtungsmaßnahmen dürfen durch die Folgegewerke nicht beschädigt werden.
  • Sind Arbeiten mit dem Trennschleifer nötig, sollten diese im Abstand vom Blockhaus bzw. dem Bausatz stattfinden. Brandlöcher oder Beschädigungen durch Splitter im Holz können nicht mehr korrigiert werden.

Auch wenn im Blockhaus nicht direkt Baufeuchte entsteht, muss das Holz langsam und möglichst gleichmäßig austrocknen. Dies wird durch eine entsprechende Belüftung realisiert. Ansonsten können Risse und Spalten entstehen.