Fundament / Keller

Keller trockenlegen mit der Injektionstechnik

Feuchte Keller sind nicht nur im Altbau ein Problem. Baumängel wie eine fehlende oder unvollständige Perimeterdämmung, fehlende Horizontalsperre und andere Abdichtungsfehler sind die hauptsächliche Ursache. 

colourbox.de

Um die richtige Technologie für eine Abdichtung zu ermitteln, sind eine exakte Bestimmung der Mauerfeuchte und eine Lokalisierung der Leckage erforderlich. Eine Generallösung gibt es nicht. Im Kellerbereich gehört die Injektionstechnik zu den favorisierten Methoden. Damit kann nachträglich eine horizontale Sperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit ins Mauerwerk eingebaut werden. Über eine Schleierinjektion ist eine Vertikalabdichtung der Fundamente oder der Bodenplatte möglich.

Beim Injektionsverfahren unterscheidet man zwischen druckloser Injektion, Injektion mit Wärmeeintrag und der Niederdruck-Injektion. Der große Vorteil dieser Verfahren ist, dass keine statische Belastung für das Mauerwerk bzw. das Gebäude entsteht, wie es zum Beispiel beim Mauersägeverfahren oder beim Austausch von Mauerwerk der Fall ist. Ein weiterer Vorteil der Injektionstechnik: Das Verfahren kann auch bei nur einseitig erdberührten Wänden, wie es zum Beispiel im Keller der Fall ist, eingesetzt werden.

Das Wirkungsprinzip des Injektionsverfahrens

Beim Injektionsverfahren werden über Bohrlöcher in vorgegebenen Abständen Substanzen in das Mauerwerk eingebracht. Durch ihre Wirkstoffzusammensetzung verteilen sich die flüssigen Substanzen so im Mauerwerk, dass eine möglichst geschlossene horizontale Sperrschicht entsteht. Dies wird entweder durch eine Abdichtung der Kapillaren, also der saugfähigen Poren, erreicht oder durch eine wasserabweisende Schicht an den Kapillarwänden. Zum Teil sind die beiden Wirkungsweisen auch kombiniert. Welche Form des Injektionsverfahrens ideal ist, hängt vom Durchfeuchtungsgrad und der Art des Mauerwerks ab. Für einige Systeme muss das Mauerwerk vorher entfeuchtet werden, damit die Flüssigkeit aus den Kapillaren abtrocknen und durch das Injektionsmittel ersetzt werden kann.

Arten der Injektion

Die drucklose Injektion

Bei der drucklosen Injektion sickert das Injektionsmaterial über geneigte Bohrlöcher in die Wand und soll so nach und nach die Kapillaren verstopfen. Problematisch bei diesem Vorgehen ist, dass die Ausbreitung im Mauerwerk nicht kontrolliert werden kann, bereits mit Wasser gefüllte Kapillaren werden nicht erreicht.

Wirksamer sind Systeme, die mit Vorratsbehältern arbeiten. In die Bohrlöcher werden trichterförmige Gefäße geschoben, die zum Teil über eine sogenannte Bohrlochlanze das Injektionsmittel nach und nach abgeben. Bei dieser Methode wirkt die Schwerkraft mit und verteilt das Injektionsmittel in der Wand.

Ein neueres Verfahren ist das Impulsverfahren, bei dem die Flüssigkeit über einen Injektionsgeber über einen Sprühimpuls abgegeben wird. Ist die eingestellte Menge an Injektionsmittel eingefüllt, schaltet sich das Gerät automatisch ab. Pro m² Querschnittsfläche sind etwa 20 bis 40 Liter Injektionsmittel erforderliche.

Für die drucklose Injektion sollte der Durchfeuchtungsgrad der Wand nicht mehr als 50% betragen. Insgesamt gilt: Je trockener die Wand im Zeitraum der Injektion, umso wirksamer und geschlossener die Horizontalsperre.

Injektion mit Aufheizen

Zu einer besonders hohen Wirksamkeit soll bei dieser Technik das Aufheizen von Injektionsflüssigkeit oder Material führen. Dazu wird das Mauerwerk mit Heizstäben erwärmt und anschließend mit der Flüssigkeit getränkt oder es wird direkt aufgewärmtes Injektionsmaterial in die Bohrlöcher eingebracht.

Als problematisch bei diesem Verfahren erweist sich, dass die verwendete Emulsion nur im erwärmten Zustand flüssig ist. Kühlt sie vorzeitig aus und erstarrt, entsteht keine lückenlose Absperrung. Für die Aufheizung des Wandmaterials müssen Obergrenzen eingehalten werden. So darf Mauerwerk nicht über 80 Grad erhitzt werden, da sonst die Festigkeit möglicherweise nachlässt.

Nieder-Druckinjektionen

Auch bei der Druckinjektion werden Bohrlöcher in die Wand gesetzt. Da das Injektionsmittel mit Druck eingebaut wird, wird auch bei hoher Durchfeuchtung das Wasser aus den Kapillaren verdrängt.

Vorteilhaft bei der Druckinjektion sind die schnelle Durchtränkung der Poren und die gute Kontrolle über das Injektionsmittel. Damit die Druckinjektion funktioniert, müssen etwaige Risse und Hohlräume vorab verschlossen werden. Dies erfolgt mit einer Zementsuspension, die über Membran- oder Schneckenpressen in die angefeuchteten Bohrkanäle gepresste wird. Für das Injektionsmittel selbst werden über Kolbenpumpen oder andere Spezialpumpen verwendet. 

Mehrstufige Druckinjektion

Als besonders sicher und erfolgreich gilt die mehrstufige Druckinjektion mit Silikonmikroemulsion, die in drei Stufen stattfindet. Dieses Verfahren ist besonders dann erfolgversprechend, wenn das Mauerwerk sehr inhomogen ist, große Hohlräume oder einen hohen Durchfeuchtungsgrad besitzt.

  • In der ersten Stufe wird, wie bereits erwähnt, das Mauerwerk mit einem Injektionsmittel verfüllt. Dadurch wird eine unkontrollierte Ausbreitung des Injektionsmittels vermieden.
  • Stufe 2 beginnt nach etwa 30 bis 60 Minuten, dann wird der Wirkstoff mit einem Druck von 5 bis 10bar in die Bohrlöcher injiziert.
  • Stufe 3 wird ein bis zwei Tage später eingeleitet. Über Silikonate wird die Emulsion aktiviert, dadurch wird die Austrocknung des Mauerwerks angeregt.

Der Druck im Bohrloch muss jeweils über längere Zeit gehalten werden, damit sich das Material überall verteilt. Erleichtert wird dies, wenn die Injektion in mehreren nebeneinanderliegenden Bohrlöchern gleichzeitig durchgeführt wird.

Die Bohrlöcher

Ein entscheidender Aspekt bei der Kellertrockenlegung per Injektionstechnik ist die richtige Positionierung und Ausführung der Bohrlöcher. Die Bohrungen selbst müssen so ausgeführt werden, dass die Wand möglichst wenigen Erschütterungen ausgesetzt ist. Besonders effektiv sind druckluftunterstützte Bohrer. Der Verschleiß ist geringer, die Arbeitsleistung höher als bei Geräten ohne Druckluftunterstützung. Nach dem Bohren muss der Kanal per Druckluft (auf Ölfreiheit achten) vom Bohrstaub befreit werden.

Welches Bohrloch für welches Verfahren?

Je nach angewandtem Verfahren werden die Bohrlöcher unterschiedlich angelegt:

  • Druckinjektionen: annähernd waagrechte Bohrungen in widerstandsfähigen Fugen oder im Stein
  • Drucklose Injektion: geneigte Bohrungen, mindestens eine Lagerfuge sollte gekreuzt werden

Weiterhin richten sich Bohrlochwinkel und Bohrlochtiefe nach der Mauerwerksdicke und der Verfahrenstechnik. Hinsichtlich des Anstellwinkels ist zu beachten, dass unterhalb des Bohrlochs fünf, bei der Druckinjektion 10cm Mauerwerk über Geländeoberkante stehen bleiben. Als idealer Achsabstand für die Bohrlöcher werden 10 bis 12,5cm empfohlen. Bei zweireihigen Bohrlochketten ist die untere Reihe zuerst zu befüllen. 

Genaue Angaben zu Bohrlochdurchmesser, -neigung und –abstand geben in der Regel die Hersteller der Injektionssysteme in den technischen Datenblättern.

Vertikale Kellerabdichtung mit Schleierinjektion

Ähnlich wie die Mauerkwerksinjektion funktioniert auch die sogenannte Schleierinjektion. Hierbei wird eine Abdichtung von Bodenplatten und Fundamenten oder eine vertikale Abdichtung erdberührender Wände erreicht. Das betreffende Bauteil wird in einem vorgegebenen Raster mit Durchbohrungen versehen. Diese werden mit einem mehrkomponentigen Gel verfüllt.

Der Effekt: An der Außenseite des Bauteils entsteht eine durchgehende Abdichtungsschicht, die druckwasserdicht und dauerelastisch ist. Wie das Bohrraster angelegt wird, hängt vom Bauteil und dem anstehenden Wasserdruck sowie vom Bauteil selbst ab. Entscheidend ist: Das Injektionsmaterial muss sich so ausbreiten können, dass eine geschlossene Schicht entsteht. Dieses Verfahren wird auch als Schleiervergelung bezeichnet. 

Geräte und Zubehör in der Injektionstechnik

Je nach Verfahren sind verschiedene Arbeitsgeräte und Zubehörteile in der Injektionstechnik erforderlich.

  • So werden sogenannte Packer für das Einfüllen des Injektionsmaterials in den Bohrkanal benötigt. Man unterscheidet Schlauchpacker für die Druckinjektion, Kunststoff oder Stahlpacker.
  • Für Injektionen in Boden oder Gestein werden Injektionslanzen verwendet.
  • Für das Einpressen der Injektionsflüssigkeit werden Injektionspumpen benötigt. Diese Pumpen können mit Druckluft, elektrisch oder manuell angetrieben werden. Unterschieden werden 1- und 2-Komponentenpumpen.

 

 

Weitere Informationen

Voraussetzung für eine erfolgreiche und dauerhaft wirksame Horizontalsperre ist bei jeder Injektionstechnik eine sorgfältige und fachgerechte Ausführung mit bewährten Anwendungsverfahren, die eine bauaufsichtliche Zulassung besitzen. Empfehlenswert ist das Merkblatt E 4-4-04/D der „Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege“ (WTA).

Dort werden die marktüblichen Injektionsmittel hinsichtlich Ihrer Eigenschaften und Anwendungsgebiete. Verschiedene Stoffe sind von der WTA mit Gütesiegel zertifiziert.