Gesundes Wohnen

Chemische Wohngifte, biogene und elektromagnetische Störquellen

Für Wohngesundheit und ein gesundes Raumklima ist eine gute und möglichst schadstofffreie Raumluft wichtig. In vielen Baustoffen, die im Innenbereich eingesetzt werden, stecken allerdings chemische Substanzen. Diese können die Gesundheit beeinträchtigen oder sogar richtig krank machen. Dies gilt ebenso für Matratzen, Möbel oder Teppiche. Neben den chemischen Giften können auch sogenannte biogene Störquellen wie Bakterien und Pilze für Unfrieden sorgen.

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Oft wird erst spät erkannt, dass Schadstoffe die Ursache für körperliche Beschwerden sind. Besteht der Verdacht auf Wohngifte, dann erfolgt eine Analyse der Innenraumluft, die mit verschiedenen bewährten Verfahren durchgeführt werden kann. Die Methodik folgt dabei den vermuteten Schadstoffen, unterschieden werden Verfahren für gasförmige, partikelartige oder biogene Stoffe. Schließlich wird zunehmend auch der Einfluss elektrischer und elektromagnetischer Strahlung als mögliche Störquelle anerkannt.

Chemische Wohngifte

Chemische Schadstoffe im Innenbereich lassen sich in drei große Gruppen unterteilen. Man unterscheidet Gase, leicht- und schwerflüchtige Schadstoffe sowie Schwermetalle und Partikel. Der ständige Aufenthalt in belasteten Zonen kann verschiedene Erkrankungen verursachen.

Anorganische Gase

Anorganische Gase, die im Wohnbereich Beschwerden auslösen können, sind zum Beispiel Aceton, Ammoniak, Chlor, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid, Methan oder Ozon. Auch Verbrennungsgase aus offenen Kaminen sowie Erd- und Stadtgas können in die Raumluft gelangen und Beschwerden verursachen.

Leichtflüchtige organische Verbindungen (VOC)

Hierzu gehören zum Beispiel Formaldehyd und waren lange Zeit in den meisten Wohnungen und Häusern zu finden. Der Eintrag erfolgt unteranderem durch Spanplatten, die mit formaldehydhaltigen Klebern hergestellt wurden, diese werden im Innenausbau oder zum Möbelbau eingesetzt. Auch Desinfektionsmittel, Lacke, Versiegelungen und die Bausubstanz selbst können belastet sein. Klassische Lösungsmittel, die in vielen Farben enthalten sind, aber auch Alkohole, Glykole und Naturharzanteile zählen ebenfalls zur Gruppe der VOC.

Schwerflüchtigen Schadstoffe

Zur Gruppe der schwerflüchtigen Schadstoffe werden Biozide, Flammschutzmittel und Weichmacher gezählt. Einige der schädlichsten Biozide sind mittlerweile verboten, die noch zulässigen Produkte können der Gesundheit allerdings ebenfalls schaden. Als sehr gefährlich gelten die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe. Diese Substanzen entstehen aus Abgasen und teerhaltigen Produkten und gelten als krebserregend.

Schwermetalle

Hierzu gehören unter anderem Arsen, Blei, Bor, Chrom, Quecksilber, Zinn und Zink, sind schon lange für ihre negativen Auswirkungen auf die Gesundheit bekannt. In Innenräumen sind diese Substanzen in der Regel vorwiegend als Altlasten in Altbauten zu finden. 

Gesundheitsschädliche Partikel

Zu den gesundheitsschädlichen Partikeln gehört das berüchtigte Asbest, das heute vor allem im Bereich der Sanierung Probleme machen kann. Künstliche Mineralfasern mit einer Größe von weniger als einem Mikrometer sind lungengängig und gelten als mögliche Krebsauslöser. Nanopartikel gelten als noch gefährlicher, da sie bis auf Zellebene vordringen, in den Stoffwechselvorgängen wirken und dort gesundheitliche Schäden anrichten können. 

Biogene Störquellen

Denkt man an biogene Schadstoffe, dann steht der Schimmel an erster Stelle. Darüber hinaus gibt es jedoch noch verschiedene weitere organische Substanzen, die die Gesundheit beeinträchtigen können. Bakterien, Hefen und Kleinstlebewesen wie die Hausstaubmilbe befinden sich in jedem Haushalt, ob es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt, hängt zum einen von der Sensibilität der Bewohner und zum anderen von der Konzentration in der Raumluft.

Schimmel

Schimmelbildung in Innenräumen kann allergieauslösend und gesundheitsschädigend wirken. Begünstigt wird das Pilzwachstum durch feuchte Raumluft, unzureichendes Lüften, nicht fachgerechte Wärmedämmung und Bauschäden. Durch die zunehmende energetische Sanierung von Altbauten und die verschärften Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) an die Dichtigkeit von Gebäuden hat sich das Problem der Schimmelbildung in den letzten Jahrzehnten verstärkt. Abhilfe schaffen fachgerechte Ausführungen und gut durchdachte Lüftungskonzepte. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten, denn Klimaanlagen, die ebenfalls zu den Lüftungsanlagen zählen, können die Verbreitung der Schimmelpilzsporen im Gebäude begünstigen. Zu den größten Schimmelherden in Innenräumen zählen weiterhin Topfpflanzenerde, Biomüll und Kleinkomposter auf Balkonen.

Bakterien, Hefepilze und Kleinstlebewesen

Diese können ebenfalls zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen durchs Wohnklima führen. Diese Organismen sind in jedem Haushalt präsent. Bei besonders sensiblen Personen oder auch bei einer Überpopulation können sie Allergien, Asthma, Hauterkrankungen und weitere chronische Krankheiten verursachen. Auch Vergiftungserscheinungen sind denkbar. Hefen in der Wohnung können Blähungen, Bluthochdruck, Depressionen oder sogar Herzrhythmusstörungen auslösen. Zu finden sind die Störenfriede zum Beispiel in Kühlschränken oder anderen Haushaltsgeräten beziehungsweise allgemein in Sanitärbereichen oder dort wo mit Lebensmitteln gearbeitet wird.

Hausstaubmilben

Eine der häufigsten Auslöser von Allergien und Asthma ist die Hausstaubmilbe. Vorwiegend sind die kleinen Spinnen in warmen und feuchten Bereichen in der Wohnung zu finden. Sie leben in Matratzen und im Bettzeug, aber auch in Polstern und Teppichen. Allergieauslösend und krankmachend sind nicht die Milben selbst, sondern deren Stoffwechselprodukte. Der Milbenkot wird über den Staub in die Luft und in die Atemwege getragen und löst dort die jeweiligen Beschwerden aus.

Elektromagnetische Störfelder

Elektrosmog ist heute in aller Munde, wird aber zum Teil von der Wissenschaft noch nicht als potentielle Schadstoffquelle anerkannt. Elektromagnetische Strahlung ist niederfrequent und zählt zu den nichtionisierenden Strahlungen. Hochfrequente Strahlung und ionisierende Strahlung (Radioaktivität) können neben verschiedenen anderen Strahlungsquellen ebenfalls störend bis gesundheitsschädigend wirken. Schallwellen können die Gesundheit durch Lärm oder Vibrationen beeinträchtigen. Im Bereich der Radiästhesie werden Erdstrahlen und geologische Störzonen wie Verwerfungen oder Wasseradern als Störquellen und gesundheitsbeeinträchtigend benannt.

Unser Lebensumfeld wird durch die zunehmende Technisierung und den Fortschritt immer mehr von elektrischer und elektromagnetischer Strahlung durchdrungen. Elektromagnetische Felder entstehen dann, wenn elektrische Energie fließt. In unseren Wohnungen und Häusern ist heute an hohes Maß an elektrischen Verbrauchern installiert, dementsprechend stark sind auch die durch den Stromfluss erzeugten elektromagnetischen Felder. Der menschliche Körper hat diesen Strahlungen keinen Schutz entgegenzusetzen. Da im Körper selbst Strom fließt und viele Prozesse durch Spannungen und Frequenzen gesteuert werden, liegt eine gesundheitliche Beeinflussung nahe. Auch wenn die Wirkung von Elektrosmog immer noch wissenschaftlich umstritten ist, gibt der Erfolg abschirmender Maßnahmen der Theorie in vielen Fällen Recht. Störungen und Erkrankungen verschwinden, sobald die elektromagnetische Störquelle entschärft ist.

Folgende Felder können im Wohnbereich auftreten:

  • Elektrische Wechselfelder entstehen durch anliegende Spannung. Die Feldstärke ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu gehören zum Beispiel Abstand, Installation und Stromstärke.
  • Fließender Strom verursacht magnetische Wechselfelder. Die Feldstärken werden ebenfalls von Abstand, Installationsqualität und dem Stromfluss selbst ab.
  • Die sogenannte Elektrostatik in Form von elektrischen Gleichfeldern entsteht dann, wenn sich Oberflächen durch Reibung aufladen. Die aufgeladene Zone zieht feine Stäube an und kann sensible Personen gesundheitlich beeinträchtigen.
  • Magnetische Gleichfelder entstehen dann, wenn Gleichstrom fließt oder Metallteile magnetisieren. Starke Gleichfelder beeinflussen das Erdmagnetfeld und können örtlich begrenzt starke Störzonen erzeugen.

Gefahrenpotentiale im Gebäude – so werden sie aufgespürt

Mögliche Gefahren- und Schadstoffquellen können sich im Gebäudebestand nahezu überall verbergen. Eine Gefährdungsanalyse durch einen Fachmann kann hier Aufklärung schaffen. Je nach Raum- oder Gebäudegröße sollte eine ausreichende Menge von Proben genommen werden, je mehr, umso aussagekräftiger und zuverlässiger sind die Ergebnisse. In der Regel wird ein sogenanntes Schadstoffkataster angelegt. Zu einzelnen Stoffgruppen werden dafür mehrere Proben zum Vergleich entnommen, so kann die Schadensquelle anhand der Konzentration der Substanz in den Proben eingegrenzt werden. Es gibt verschiedene Probeentnahmearten, die sich nach der Schadstoffgruppe richten. Grundsätzlich unterscheidet man Luft- und Materialproben, die im Labor durch vielfältige Untersuchungsmethoden analysiert werden. Etwas anders verläuft die Suche nach Quellen für elektromagnetische Strahlung oder radioaktive Erscheinungen. Hier wird direkt im Gebäude gemessen.