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Farben und Lacke – welche soll ich nehmen?

In Haus und Garten kommen Farben und Lacke vielfältig zum Einsatz: Sei es als Wandfarbe, Parkettlack oder Fassadenfarbe. Und häufig ist es der Heimwerker, der die Farbe verarbeitet, denn Malern zählt zu den beliebtesten Selbermacher-Beschäftigungen.

Die unterschiedlichen Arten...

Wer sich jedoch nicht so gut mit Farben und Lacken auskennt, mag vor der Vielfalt von unterschiedlichen Anstrichstoffen kapitulieren. Hier sollen daher die wichtigsten Lacke und Farben einmal näher vorgestellt werden, mit denen der Heimwerker bzw. Hausbesitzer in Kontakt kommt.

Dispersionsfarben

Am häufigsten hat der Heimwerker sicherlich mit Dispersionsfarben zu tun – nämlich dann, wenn er die Tapete oder Putzfassade streicht. Diese Farben verwenden Kunstharze als Bindemittel und können gerollt, gespritzt oder gestrichen werden. Dispersionsfarben gibt es in verschiedenen Qualitäten von wisch- über wasch- bis hin zu scheuer- und wetterbeständig. Mit steigender Qualität steigt auch der Bindemittelanteil. Eine hochwertige Dispersionsfarbe besitzt also mehr Bindemittel und deckt dementsprechend besser ab als eine nur wischbeständige Farbe. Oft reicht dann sogar ein einziger Anstrich aus. Es ist daher ratsam, beim Kauf etwas mehr Geld in eine hochwertige Farbe zu investieren. Damit kann zum einen der Arbeitsaufwand reduziert werden, weil nicht zwei- oder dreimal gestrichen werden muss. Zum anderen kann es letztlich dann doch günstiger werden, wenn der erste Anstrich ausreicht.

Dispersionsfarbe ist in der Regel erst einmal weiß. Durch die Zugabe von Abtön- bzw. Volltonfarben kann sie jedoch jeden beliebigen Farbton bekommen. Im Handel sind sowohl fertig abgetönte Farben als auch die verschiedensten Abtönfarben erhältlich, mit denen sich der Heimwerker seine gewünschte Farbe selbst anmischen kann. Dies ist jedoch nicht sehr genau, daher kann man sich immer häufiger im Handel vor Ort seinen Wunschfarbton anmischen lassen. Da ist man sich dann auch sicher, dass in jedem Farbeimer der gleiche Farbton ist. Auch die Latexfarben, die gerne in beanspruchten Räumen wie dem Treppenhaus zum Einsatz kommen, zählen im Übrigen zu den Dispersionsfarben. Den Namen haben sie noch von früher, als der Farbe wirklich Latex beigemischt wurde. Heute sieht die Farbe nur noch so aus und auch die Eigenschaften haben sich etwas verändert, denn moderne Latexfarbe ist bedingt wasserdampfdurchlässig. Sie lassen sich auch mit einer anderen Dispersionsfarbe überstreichen. Diese darf aber nicht matt, also mager sein, sondern muss ebenfalls hochglänzend, d.h. fett sein.

Mineralfarben

Mineralfarben sind eine gute Alternative zu Dispersionsfarben, wenn auf die Verwendung von Kunstharzen verzichtet werden soll. Die Verarbeitung sollte allerdings den Malerbetrieben überlassen werden, da dabei doch einiges schief gehen kann. Mineralfarben besitzen Kaliwasserglas als Bindemittel, welches aus Quarzsand und Kaliumcarbonat gewonnen wird. Daher können sie nur auf einem siliziumhaltigen Untergrund wie Beton, Kalkmörtel oder zementhaltigem Mörtel verwendet werden. Sie gehen mit dem Untergrund eine unlösbare Verbindung ein, die sogenannte Verkieselung. Das unterscheidet die Mineralfarben von anderen Anstrichstoffen, die lediglich einen Film bilden. Ein Vorteil von Mineralfarben ist, dass sie weniger leicht verschmutzen. Während andere Anstrichstoffe durch statische Aufladung den Schmutz geradezu anziehen, ist dies bei Mineralfarben nicht der Fall. Auch Pilze und Flechten besiedeln eine Fassade, die mit Mineralfarben gestrichen wurde, weniger stark.

Leimfarben

Bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren Leimfarben die gebräuchlichste Innenfarbe, bevor sie von den Kunstharzdispersionsfarben verdrängt wurden. Das liegt vor allem auch daran, dass Leimfarben wasserlöslich sind und sie daher im Freien überhaupt nicht und in der Wohnung nur dort verwendet werden können, wo keine ständige Feuchtigkeit zu erwarten ist. Aus bauökologischer Sicht sind sie empfehlenswert, bestehen sie doch neben Leimen nur aus natürlichen Inhaltsstoffen wie Kreide und Wasser. Leimfarben eignen sich für Decken- und Wandanstriche auf Untergründen wie Raufasertapeten, Gipsplatten, Steinen und Putzen. Auf dauerfeuchten Untergründen, auf Kunststoffen oder Ölanstrichen hält die Leimfarbe allerdings nicht. Die Leimfarbe zum Beispiel mit einem Dispersionsanstrich zu überstreichen, ist nicht möglich. Zunächst muss die Farbe komplett entfernt werden, was mit Wasser kein Problem darstellt.

Kalkfarben

Aus gelöschtem Kalk und Wasser werden Kalkfarben hergestellt. Bei einer Kalkfarbe handelt es sich daher immer um eine weiße Farbe, eine farbige Variante ist nur in sehr begrenztem Maße (Pastelltöne) möglich. Dafür sind Kalkfarben baubiologisch sehr empfehlenswert. Soll mit der Kalkfarbe gestrichen werden, sind immer mehrere Durchgänge notwendig, da die Deckkraft doch eher gering ist. Anstriche sind nur für den Innenbereich empfehlenswert, da sich die Kalkfarbe durch sauren Regen in Gips verwandelt und abgewaschen werden kann. Für Feuchträume sind sie jedoch sehr gut geeignet, was auch daran liegt, dass sie atmungsaktiv und feuchteresistent sind. Kalkfarben benötigen kalk- und zementhaltige Untergründe, auch eine Anwendung auf Lehmputz, gebrannten oder ungebrannten Mauersteinen oder Tapeten ist möglich. Ein Dispersionsanstrich kann jedoch nicht mit Kalkfarbe überstrichen werden. Auch ein gipshaltiger Untergrund verträgt sich nicht mit der Farbe.

Alkydharzlacke

Alkydharzlacke sind Kunstharzlacke, die im Wesentlichen aus Lösemitteln, Pigmenten und Bindemitteln bestehen. Kunstharzlacke besitzen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Beanspruchung und können zudem auf fast jedem Untergrund eingesetzt werden. Die Härtung des Lacks erfolgt durch Verdunsten des Lösemittels, das Testbenzin oder Terpentinersatz sein kann. Entsprechend groß ist die Geruchsentwicklung während der Trocknungszeit. Auch die Gesundheitsgefährdung darf nicht unterschätzt werden. Angeboten werden Alkydharzlacke als matt, seidenmatt, glänzend oder hochglänzend. Auch alle erdenklichen Farben sind möglich, so dass dem Heimwerker ein unermesslicher Variantenreichtum zur Verfügung steht. Gestrichen werden mit Alkydharzlacken zum Beispiel Fenster und Türen, Holzfußböden und Fassadenbekleidungen aus Holz. Auch bei Möbeln Küche oder Bad finden die Kunstharzlacke Verwendung, ebenso bei Gartenmöbeln, sofern sie nicht aus Teak gefertigt wurden. Die Reinigung von Werkzeugen erfolgt mit Terpentin oder Terpentinersatz. Sind Farbreste erst einmal getrocknet, lassen sie sich fast nur noch mechanisch entfernen.

Polyurethanlacke

Polyurethanlacke bzw. PUR-Lacke oder DD-Lacke sind Reaktionslacke, d.h. sie trocknen nicht durch Verdunsten der Lösemittel, sondern durch eine chemische Reaktion. Im Falle der PUR-Lacke findet eine Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit statt. Solche Lacke zeichnen sich durch eine besondere Härte, Abriebfestigkeit und Beständigkeit aus. Einsatzgebiete von PUR-Lacken sind daher überall dort, wo diese Eigenschaften erwünscht sind. Im Bereich des Hauses ist das zum Beispiel die Versiegelung von Parkettböden oder die Treppenstufen. Auch Metalle, Beton oder Kunststoffe können mit Polyurethanlacken gestrichen werden. So wird der Lack wegen seiner Eigenschaften häufig im Einbauküchen-Bereich verwendet. Die Lacke sind als Zweikomponenten- und Einkomponentenlacke im Handel erhältlich.